Ich kann keine Kinder bekommen

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Eines der traurigsten Sätze, die eine Frau sagen kann: „Ich kann keine Kinder bekommen.“ Viele verstehen nicht, wieviel Schmerz, Unglück und was für ein trauriger Kampf hinter diesen Satz stehen. Menschen, die Eltern werden wollen und Jahre lang ohne Erfolg probieren schwanger zu werden, stellen oft ihr gesamtes Lebensglück in Frage. Wie sollen sie jemals wieder einen Urlaub genießen? Wozu eine neue Küche planen? Wozu steht man in der Früh auf? Später versuchen sie es mit künstlicher Befruchtung und irgendwann wird auch diese Chance zum nicht einglösten Versprechen. Manche geben dann die Hoffnung auf um sich mit Adoption und später mit Pflegekindern auseinanderzusetzen. Das kann oft eine bessere Lösung sein, als sie gedacht haben.

Kinderwunsch kann stärker sein als Drogensucht

Die Verabschiedung vom „eigenen Kind“, das deine Gesichtszüge trägt, das in deinem Bauch gewachsen ist und dich mit deiner/em PartnerIn“verwandt“ macht… bedeutet ein inneres Drama. Ein „leibliches“ Kind zu bekommen enthält so viele Noancen des Lebens, die du miterleben und empfinden will, die deine Phantasie und Sehnsucht beflügeln. Mit Babybauch duschen, mit PartnerIn die ersten Herzgeräusche hören, sich mit den eigenen Eltern über die nächste Generation freuen, ein klitzekleines frischegeborenes Baby im Arm halten und sich tief verbunden fühlen …

Diese ganzen Phantasien sind natürlich mit einer fetten Schmalzschicht überzogen. Wer weiß, wie fit du nach der Geburt bist? Wer weiß wie dein Kind sich entwickelt? Ein Adoptivkind oder ein Pflegekind, hat niemanden auf der Welt. Was gibt es emotionaleres und einnehmenderes als dieses Kind ein Zuhause zu schenken und gemeinsam eine Eltern-Kind-Beziehung zu entwickeln? Du kannst dich dann zwar nicht mit anderen Eltern über die Geburt austauschen, aber z.B. mit anderen Adoptiv- oder Pflegeeltern über die erste Nacht mit dem kleinen Kind austauschen. Wie hat das Kind darauf reagiert ein neues Zuhause zu bekommen? Ein neues Bett? Hat es bitterlich geweint, weil es wieder nach Hause wollte, wo und wie auch immer dieses Zuhause ausgesehen hat? Hat es sich trösten lassen? Wie war das erste Frühstücken gemeinsam? Man kann sich gegenseitig trösten, weil die ersten Streitereien und Trotzereien an die Substanz gegangen sind und man nicht als einzige diese Erfahrung gemacht hat. Und man kann sich voller Liebe und Begeisterung erzählen, welche Fortschritte das Kind macht, und wie es sich bemüht und wie sensibel und fein die Beziehung mit der Zeit geworden ist.

Wie geht man damit um keine Kinder bekommen zu können?

„Ich habe es niemanden mehr erzählen wollen, weil ich meine Gefühle nicht mehr teilen wollte. Es hat mich sowieso kaum wer verstanden. Am schlimmsten war es für mich, wenn andere Eltern mir erzählt haben, wie anstrengend Kinder sind. Wenn sie z.B. meinten, dass ich froh sein soll, dass ich keine Fiebernächte durchwachen und am nächsten Tag arbeiten gehen müsse. Ich habe mir gedacht: „Du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr ich mir genau das wünsche! Und du glaubst gar nicht wie dankbar du sein kannst, dass du ein Kind hast, das Fieber bekommen kann und gepflegt werden muss.“

Eines Tages beschließen sie die Befruchtungen abzuschließen. Das Hoffen ist zu ansträngend. Die Jahre vergehen und sie leben ihr Leben nicht mehr, obwohl sie in den besten Jahren sind. Sie verabschieden sich von ihrem Wunsch ein leibliches Kind zu bekommen. Sie trauern und gönnen sich endlich Ruhe. Und sie melden sich für ein Adoptivkind an. Aber sie sind nicht weit vorne gereiht. Ihre Hoffnung wird immer kleiner, als sie über 40 sind, denn für Adoptionen werden jüngere Eltern bevorzugt.

Doch eines Tages bekam sie einen Anruf vom Adoptivbüro. „Wir haben ein Kind für dich.“ Sie hörte die Worte und konnte es nicht glauben. Sie rief ihren Mann an und sagte: “ Unsere Reise ist vorüber.“ Er fing verdattert am anderen Ende zu weinen an und fragte verzweifelt: „Warum!? Warum denn!?“ Er dachte, sie wolle mit ihm Schluss machen. An ein Kind hatte er nicht mehr geglaubt. Heute haben sie bereits Fiebernächte durchwacht und auch in stressigen Phasen, sind sind sie glücklich diese durchleben zu dürfen.

Wie lange kann man warten?

Leider sind Frauen nicht so lange fruchtbar, wie man glaubt. Und auch der Sperma der Männer wird mit dem Alter immer weniger vital und auch anfälliger Kinder zu zeugen, die an Krankheiten leiden. Ab 38 ist die Chance für eine Frau ein Kind zu bekommen deutlich geringer als mit 30. Und ab 40 muss man schon einen Glückstreffer landen. Das unterschätzen viele Paare.  Heinz Strohmer ist Fertilitätsmediziner und kann davon ein Lied singen, wie enttäuscht Frauen sind, wenn sie Ende 30 nicht mehr schwanger werden. Und sie sind verwundert, wenn man sie darüber aufklärt, dass das nicht an ihrer speziellen Gebärmutter liegt, sondern ganz allgemein so ist. Man sollte sich lieber etwas früher um Nachwuchs kümmern, wenn man unproblematisch schwanger werden will … Darüber und über viele andere sehr interessante Themen rund um Schwangerschaft, künstlicher Befruchtung und Gene haben wir uns mit Dr. Heinz Strohmer und Claas Röhl (Papa einer Tochter mit der Erbkrankheit Neurofibromatose) unterhalten. Sehr interessant und sehr aufschlussreich!

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Redaktion

1 Kommentar

  1. Teresa Donat on

    Und ich dachte, da wird das Thema mal aus der Perspektive des Mannes betrachtet. Wär auch mal eine Geschichte wert!

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