Inserate und Gewerbe

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Ein paar kleine Gedanken zur alltäglichen politischen Situation:

Gegen Inserate aus der Politik!

Warum schalten Parteien Inserate in Zeitungen etc.? Bekommen Parteien nicht genug gratis Aufmerksamkeit durch Medien? Es gibt Talkrunden, Parlamentsübertragungen, tägliche Berichterstattung in Zeitungen etc….Warum also Inserate und Kampagnen? Diese Finanzierung durch die Politik kann doch nur dazu führen, dass die Berichterstattung verzerrt wird. Warum tun sich die Parteien nicht zusammen und beschliessen, dass politische Inserate verboten sind? Damit würden sie diese lästige Abhängigkeit von den Tageszeitungen los. Die bringt ja mehr Schaden als Nutzen. Zahlt man nicht genug, gibts sofort Negativberichterstattung. Politiker werden fälschlich interpretiert, abgewertet und verteufelt. Wer will das? Was bringt das?

Und den Medien täte man auch was Gutes! JournalistInnen könnten endlich frei recherchieren und analysieren und bräuchten sich kein Blatt vor dem Mund nehmen. Sie würden bessere Berichterstattung produzieren und könnten ein besseres Selbstvertrauen entwickeln!

Heute ist es so, dass Die Presse deutlich mehr Inserate aus der Politik erhält, als andere Tageszeitungen, aber mitnichten mehr LeserInnen hat. Wie kann das gerechtfertigt werden? Dann wundert man sich nicht, wenn Sebastian Kurz eine nette Berichterstattung durch Die Presse erhält. Bissi Pseudokritik kommt in den Kurz-Artikeln schon vor, um den Schein zu wahren, aber im Grossen und Ganzen wird er als intelligenter, gewissenhafter Mensch beschrieben, obwohl er nachgewiesenermassen Meister im Sitzungsschwänzen ist und Viktor Orban unterstützt und verteidigt (Ich würde ja gerne wissen, mit wem diese diplomatische Gangart abgesprochen wurde?! Wer hat beschlossen, dass Österreich diesen Staatschef unterstützt, der in Ungarn den Menschen ihre privaten Pensionsansparungen wegnimmt, Unterstützungsgelder der EU für Behindertenheime nicht für Behinderte ausgibt und sie statt dessen in ihren Ausscheidungen schlafen lässt, Roma wie Menschen zweiter Klasse behandelt, die ungarische Verfassung mit Füssen tritt etc.?)

Der Standard bekommt pro LeserIn ein Mehrfaches für seine Inseratplätze bezahlt als alle anderen Medien. Warum das? Ist einE Der Standard-LeserIn so viel mehr wert, als einE LeserIn vom Bezirksblatt? Natürlich gibt es teurere Inseratumgebungen, aber wie weißen die Medien nach, dass sie so viel wertvollere LeserInnen haben und daher mehr Steuergelder in Form von Inserate verdient? Ich finde, das ist eine Problematik, der man sich in der Politik gar nicht aussetzen sollte.

Und Geld sparen könnten wir auch durch den Wegfall politischer Inserate. Besser, man erhöht mit diesem Geld die Presseförderung ein wenig und den Anteil an gutem Kinderprogramm im ORF (!) und Medienerziehung in den Schulen. Und sagt jetzt nicht, dass das nicht möglich ist. Man kann Werbung für Zigaretten, sexistische Sujets oder auch politische Werbung verbieten. Kommt drauf an in welcher Art Gesellschaft wir gerne leben wollen.

Gewerbetreibende

Die Woche besuchte ich das neue marokkanische Restaurant, das L´Orient, im Zweiten, das Freunde von uns aufgesperrt haben. Wie wir, leben sie immer mit hohem Risiko und beuten sich selber aus, um als Selbstständige zu überleben. Orient

Ein wunderbarer Ort. Keine Bank wollt dafür einen Kredit locker machen, obwohl die beiden eine hohe Nachfrage nachweisen konnten. Zum Glück haben sie am Ende Investoren finden können, die an sie glauben. Ohne Investoren ginge in Österreich gar nichts weiter.

OrientHier wird jeden Tag frisch gekocht. Was die meisten Gasthäuser heute nicht von sich behaupten können. Weil auch einfach zu teuer. (Die Menschen schmeissen so viel Geld für Blödsinn aus, aber können ein Tiefkühlessen kaum von einem frisch zubereiteten auseinanderkennen.) Im L´Orient gibt es die besten Oliven aus Marokko, die man in Wien sonst so gut wie nirgends bekommt!

Orient

Im L´Orient kann man in eine andere Welt eintauchen. Grossen Respekt vor Menschen, die für ihre Vision leben. 

Orient

Marietta und Mustafa haben mit LÓrient wirklich eine Oase geschaffen…!

Sobald ein wenig Geld in der Kassa bleibt, kommt die Wirtschaftskammer oder eine Behörde oder die Krankenkassa und will Geld. Ich zahle hohe Beträge an die SVA und muss trotzdem auch Selbstgehalte zahlen. Man hat dauernd das Gefühl, einem steht nichts zu, und man arbeitet in erster Linie für andere Institutionen. Wenn man sich überlegt, wie sehr Menschen mit fixen Einkommen jammern, weil sie finden, dass ihnen mehr Geld zusteht, kann man nur seufzend innerlich den Kopf schütteln. Sie haben bereits ihre Tischlerküche, fahren jedes Jahr 2-3 mal auf Urlaub und leasen ein neues Auto und bilden sich immer noch ein, dass das Geld schuld dran ist, wenn sie nicht glücklich sind. Der Mehrheit der Menschen heute geht es besser, als den Adeligen im 17 Jahrhundert. Und auch wenn als Selbstständige der kleineren Sorte das Geld unregelmässig reinkommt und man keine Tischlerküche kaufen kann, hab ich trotzdem viel Platz für Glücksgefühle.

Aber es sollte endlich eine Partei kommen, die uns kleine Gewerbetreibende unterstützt und alle die nicht selbstständig sind, es aber werden wollen, dabei hilft. Ich habe keine Interessen die Volkspartei zu wählen. Die sind nicht für Gewerbetreibende da, sondern für eine alte österreichische Oberschicht-Lobby, die keine Konkurrenz und Weiterentwicklung wünscht um privilegiert zu bleiben. Die Neos sind mir zu wenig deutlich pragmatisch in einer sozialdemokratischen Denkart. Es braucht einfache logische Lösungen mit viel Transparenz und Eigenverantwortung und gepaart mit einem Schulsystem, in dem ALLE Kinder auf ein hohes Niveau hingefördert werden. Es bringt Österreich nichts, wenn die Mehrheit keine Allgemeinbildung bekommt und ein privilegierterer Teil perfekt Integral rechnen in der Nachhilfe lernt. Es braucht offene Universitäten und progressive Forschung. Es müssten VIELE Menschen Privilegien verlieren undstatt dessen ALLE Menschen die Möglichkeit bekommen ihr Leben zu gestalten. Dazu müssen aber Behördenentscheidungen transparent und Gesetze und Regelungen nachvollziehbar sein und für alle gleich gelten.

Wenn viele willige Menschen aus der Anstellung in eine Selbstständigkeit wechseln und umgekehrt, ist das der beste Weg zu einer Gesellschaft mit wenig Klassenunterschieden. Wenn immer die gleichen selbstständig oder angestellt sind, dann gibt es keinen Austausch, dann bleibt immer jeder in „seiner Schicht“.

 

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