Liebe als Medikament?

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Upps, schon wieder am weg nach Schweden. In den letzten Wochen habe ich an unseren Film „die smartesten 2% – Psychogramm der Hochintelligenz“ geschnitten und hab meine Menopausebeschwerden in den Griff gekriegt. Aber darüber, liebe hochinteressierte mittdreissigjährigen männlichen Leser, in einem separaten Blogeintrag mehr. Und jetzt wollen wir in Stockholm eine Sauna bauen.

Im Auto herrschte gute Stimmung. Und ja, wir transportieren auch einen Tisch und zwei Bänke im Kofferraum. Die werden morgen gleich plaziert.

Liebe als Medikament?

Ein interessanter Gedanke flog mir via einem schwedischen Pod unter der Fahrt zu: es gibt ja Menschen, die immer verliebt sind. Oft in oft wechselnden Personen, manchmal ewig in eine Person, die einen nicht zurückliebt und man denkt da schnell daran, dass diejenige Person nicht allein sein kann bzw. Angst vor Beziehungen hat. Man verliebt sich also in Menschen, mit denen eine tiefe längere Beziehung nicht zu Stande kommen wird. Manche, indem sie sich auf eine Person fixieren, von denen sie nicht zurückgeliebt werden und andere indem sie sich wechselnde Liebesobjekte suchen, die nicht mit Ernsthaftigkeit ausgesucht wurden sondern nur flüchtige Emotionen wecken.

Aber eine andere Erklärung für dieses Dilemma könnte auch folgender sein: Verliebt zu sein, ist nicht unähnlich dem Gefühl berauscht zu sein. Verliebtheit könnte von der Wirkung her eigentlich zu den Drogen zählen. Verliebtheit und Liebe gehören zu den stärksten Gefühlen, die wir empfinden können. Kann es also nicht sein, dass Menschen, die dazu neigen sich deprimiert zu fühlen, sich durch Verliebtheit quasi medikamentieren? Damit hebt man den Stoffwechsel und bringt Sinn und Spannung ins Leben. Jedes Mal, wenn das Liebesobjekt einen ansieht, fühlt man Kribbeln und Bestätigung. Wenn es einen negiert, kann man sich in melancholischen Gefühlen suhlen. Wenn man am Morgen aufwacht, denkt man nicht daran, wie öde und leer das Leben ist, sondern fragt sich sehnsüchtig, ob ein sms vom Liebesobjekt am Handy notiert ist.

Ich glaub, das habe ich früher zeitweise auch so gehandhabt und der Charakter der betroffenen Männer war nicht von so grosser Bedeutung, als dass das Theater um sie herum meinen Serotoninspiegel hochgehalten hat. Manchmal habe ich ganz pragmatisch überlegt, ob einer der anwesenden Männer zumindest irgendwas charmantes an sich hat, dass in mir ein Interesse wecken könne um dann meinen Sehnsucht-Knopf zu aktivieren. Danach ging es mir besser. Es war nicht so wichtig, ob ich mit ihm ins Gespräch kam oder nur aus der Ferne Verliebtheit spielte. Ein Gespräch konnte sogar ziemlich kontraproduktiv sein, wenn es darum ging, die Verliebtheit am Leben zu erhalten.

Unser Hirn und die Hormone haben einen viel größeren Einfluss auf unsere Logik und Lebenssinn, als wir denken. Ich bin überzeugt, dass die neurologische Wissenschaft in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird. ADHS kann man heute bereits mittels Hirn-Scan sichtbar machen. Das hat eine große britische Studie diesen Winter bestätigt. Wir werden aber auch andere neurologische Auffälligkeiten in Zukunft sichtbar und dadurch besser behandelbar machen. Dabei muss es immer darum gehen, ein erhöhtes Wohlbefinden der Personen zu erreichen. Ich glaube, Verliebtheit als Medikament ist idiotisch. Kostet Zeit, Ressourcen, verkompliziert das Leben und erschwert das Pflegen tieferer Beziehungen, macht unzuverlässig und letztendlich unglücklich. Lieber die dahinterliegende Depression behandeln.

Medikamenten-Cocktails

modafinil

Das wird in Zukunft durch fein abgestimmte Medikamenten-Cocktails geschehen. Quantitative EEG Scans werden hierbei eine wichtige Rolle spielen. Ca. 10% der Menschen haben ADHS, was zu einer erhöhten Affektivität und sozialen Problemen und einem nicht ausgeschöpften Potenzial führt. Davon sollte die Hälfte ADHS Medikamente bekommen. Die andere Hälfte kommt mit punktueller Unterstützung aus, wenn sie ihre Lebenszufriedenheit steigern wollen. Dazu kommen andere hormonelle Ungleichgewichte, die das ADHS verstärken, wie Vitamin D- oder Progesteronmangel bzw. einem Testosteronungleichgewicht. Andere Menschen leiden vielleicht unter bipolaren Störungen in unterschiedlicher Ausprägung und brauchen stabilisierende Medikamente in Verbindung mit anderen Mitteln wie Omega 3 etc. Wieder andere könnten punktuell „smartdrugs“ wie Modafinil in ihrem Cocktail brauchen, um kurzfristig trotz Legasthenie und Dyslexie hohe Leistung erbringen zu können, ohne langfristig Depressionen und Ängste zu entwickeln. Auch Diäten werden bei diesen Cocktails wichtiger werden. Serotonin wird vor allem im Darm produziert und eine gute Balance der Hormone hängt natürlich von einer ausbalancierten Kost und Bewegung ab. Ich denke, man wird in 10 Jahren Rundumdiagnosen stellen können, die stark auf neurologische Grundlagen basiert und Faktoren wie Gender, Verfassung des Immunsystems und Alter etc mit einberrechnen.

Dass die Menschen heute so viel mit ihrem Essen rumexperimentiert, und teilweise auch durch veränderte Kost ein höheres Wohlbefinden erreichen, obwohl sie zum Beispiel unter keine Allergien leiden, zeigt, wie wechselhaft das Hormonsystem arbeitet und wie schnell das Hirn auf Versprechen reagiert.

Wir werden in Zukunft durch abgestimmte Kost und feinabgestimmte Medikamenten erreichen, dass unser System stabiler und zuverlässiger arbeitet. Davon bin ich überzeugt. Heute schaffen das die meisten Menschen nicht so gut, oder nur phasenweise.

Psychotherapie kann vieles klären und jeder sollte mal im Leben Psychotherapie machen, aber wir sind nun mal nicht nur Geist sondern auch Körper und unser Körper ist komplizierter, als dass er nur durch Sport und Obst den Geist glücklich macht. Da ist noch Platz für sehr viele Komplikationen und Schwierigkeiten.

Guter Schlaf, stabile Lust am Leben, Spass an der Arbeit und verbesserte Möglichkeit tragende Beziehungen zu leben – das alles sollte den meisten Menschen möglich sein. Leider wird es noch lange Menschen geben, die auf Grund ihrer Dispositionen weiterhin grosse Schwierigkeiten haben werden das alles zu erleben.

polnisches essen

Apropos Diät: Nach dem Podhören waren wir an einer Raststelle in Polen essen. Es gab Subway und ein original polnisches Fastfood zur Auswahl. Wir entschieden uns für das polnische. Eine lange Warteschlange schien uns ein Hinweis für gute Qualität. Und es gab tatsächlich einen Zusammenhang zwischen der Schlange und der Qualität des Essens, wenn auch einen umgekehrten.

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About Author

Absolut Patrice

Patrice Fuchs ist 41 Jahre alt, betreibt in Wien ein Umstandsmoden- und ein Designgeschäft, eine Zeitung "Familie Rockt", eine Fernsehshow "Familie Rockt TV", dreht Dokumentationen und unterhält dieses Elternblogportal. Aja und Mama von drei Gschropen ist sie auch.

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