Kein Sex gegen Geld

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Die Dokumentation „Kein Sex gegen Geld“ wurde am 11.11.2011 im Rahmen von „Am Schauplatz“ gezeigt. Patrice Fuchs hat den Schweden-Teil und Christine Grabner den Österreich/Deutschlandteil des Filmes gedreht.

Sex gegen Geld

In Schweden zeigt sich, dass das Verbot von Sexkauf dazu geführt hat, dass Zuhälter und Menschenhändler nur mit sehr hohem Aufwand mit Prostituierten Geld verdienen können, da nicht der Dienst der SexarbeiterInnen, sondern die Kunden strafrechtlich verfolgt werden. Dadurch kann keine öffentliche Anwerbung stattfinden. Prostitution ist kein Geschäft, das selbstlaufend ist, denn es gibt weit weniger Kunden, als man allgemein denkt. Nicht jeder Mann geht im Leben einmal zu einer Prostituierte und die meisten, die einmal im Bordell waren, kehren nicht wieder, weil ihnen diese Art des Sex nicht freut. Daher braucht die Prostitutionsbranche eine gesellschaftspolitische Stimmung, die Sexkauf fördert. Das bedeutet Öffentlichkeitsarbeit: Sexkauf muss anregend, spektakulär und harmlos dargestellt werden. Es muss die Meinung verbreitet werden, dass Prostituierte freiwillig ihre Sexualität verkaufen, weil sie Geld für ein Studium sparen oder sehr gerne mehrmals am Tag mit unterschiedlichen unbekannten Männern Sex habe. Männer müssen den Eindruck gewinnen, dass Prostituierte gerne als Prostituierte arbeiten und den Sex mit ihnen geniessen. Da Menschenhändler und Zuhälter von Anfang an sehr internetaffin agiert haben, verstehen sie es gut über Googlevernetzungen von Internetseiten kritische Berichte nach hinten zu drängen und ihre positiven Darstellungen auf die ersten Suchseiten zu reihen. Wenn eine positive Stimmung verbreitet werden kann, probiert ein höherer Anteil von Männern Sex mit einer Prostituierten aus. In Schweden und Grossbritannien ist die Grundhaltung der Gesellschaft zu Prostitution nicht positiv oder verharmlosend. Gleichzeitig hat ein viel kleinerer Prozentsatz der Männer jemals eine Prostituierte besucht (bei 15%). In Österreich oder Spanien ist dieser Prozentsatz sehr viel höher (etwa bei 30%). Von diesem höheren Prozentsatz an Männern, bleibt nur ein kleiner Anteil, aber ein im Verhältnis zu Schweden oder Grossbritannien natürlich viel höherer Prozentsatz, an Männern in der Welt der Prostitution hängen. Diese wiederkehrenden Kunden sind das Kerngeschäft der Prostitution. Diese Männer geben regelmäßig viel Geld für Sexkauf aus und bewegen sich, auch ohne zu konsumieren, oft im Milieu. In Schweden werden diese wiederkehrenden Sexkäufer als „Suchtkranke“ eingestuft und es gibt in ganz Schweden Beratungsstellen für Sexkaufsüchtige, die ihre Sucht ablegen wollen. Sie leiden laut schwedischen Untersuchungen unter Bindungsstörungen und können mit einer Frau keine innige intime und persönliche Beziehung erleben. Viele Sexkaufsüchtige ruinieren sich durch ihre Sucht finanziell – vergleichbar mit Spielsüchtigen.

Warum Menschenhändler in Schweden kein Geld verdienen

Menschenhändler in Schweden müssen private Wohnungen anmieten und verschlüsselt ihr Angebot unter die Kunden bringen, die so schwer zu erreichen sind. Die Kunden haben auch Angst ein Angebot wahrzunehmen, weil sie fürchten vor Ort verhaftet zu werden. Um das Geschäft sicherer zu machen, müssen die Menschenhändler regelmässig Wohnungen aufgeben und neue Wohnungen anmieten und die Kunden dorthin umleiten. Das alles vermindert die Einträglichkeit und daher gibt es entgegen den Aussagen von Befürworterinnen von legalem Sexkauf nicht mehr illegale Bordelle in Schweden als vor dem Sexkaufverbot. Einzelne privat agierende Prostituierte sind nicht das vordergründige Ziel der Polizeiarbeit.

 

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