Streit in der Patchworkfamilie?

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Die Kernfamilie ist heute nicht mehr die Norm. Dass man sich trennt und eine neue Familie gründet, gehört beinahe zu einem gewöhnlichen Lebenslauf dazu. Statt Kernfamilie steht heute die `Sternfamilie‘ am Plan. Sternfamilie – Klingt doch nett!? Wenn sich getrennte Elternteile neue LebenspartnerInnen suchen, kommen neue Familienmitglieder dazu. Früher nannte man sie Stiefmutter, Stiefvater und Stiefgeschwister – wir wollen sie lieber `Bonusmama‘, `Bonuspapa‘ und auch `Bonuskinder‘ nennen. Aber natürlich gibt es auch in der nettesten Sternfamilie mal einen Gnatsch.

Wenn sich die Regeln jede Woche ändern:

Herausforderung: Papa und Mama hatten schon vor der Trennung nicht in allen erzieherischen Belangen die exakt gleiche Einstellung. Ob es um die Höhe es Taschengeldes ging oder darum wieviel die Kinder im Haushalt mithelfen sollen. Aber jetzt werden die Diskrepanzen noch stärker, weil die Bounskinder noch mal ganz andere Gewohnheiten mitbringen, als es die eigenen Kinder gewohnt sind.

Was tun?

Solche Konflikte sind schwer zu lösen. Man kann über alles diskutieren, aber ein gewisses Maß an Ungleichheit muss man wohl auch aushalten. Dass der ehemalige Partner oder die Partnerin nach der Trennung nicht das gemeinsame Leben weiterführt, ist selbstverständlich und muss akzeptiert werden, auch wenn es einem gegen den Strich geht. Aber wenn neue Gewohnheiten den Kindern schaden, darf man sehr wohl eine Meinung dazu haben und diese auch kundtun. Pausenlos Süßigkeiten essen, jeden Abend sehr spät schlafen gehen und dann müde in der Schule herumhängen etc….an solchen Habits darf man als Eltern sehr wohl nachhaltig Kritik üben.

Was gibt es noch für häufige Probleme in Sternfamilien?

1.) Die Bonus-Mama übernimmt alle Elterpflichten:

Herausforderung: Die Bonusmama übernimmt immer öfter die Elternpflichten vom Papa. Sie geht zu den Elternabenden und redet dort über die Kinder als wäre sie erziehungsberechtigt.

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Was tun?

Man sollte sich in Ruhe ansehen ob sie den Kindern gut tut, und zwar unabhängig davon, wie man selber zu dieser Frau steht. Eigentlich kann man ja froh darüber sein, wenn andere erwachsene Personen sich für die eigenen Kinder interessieren. Gleichzeitig muss man es nicht akzeptieren, dass der Vater sich gänzlich absentiert.

2.) Die Kinder meines neuen Partners oder Partnerin ignorieren mich

Herausforderung: Sie antworten mir kaum und lehnen jede gemeinsame Aktivität ab.

Was tun?

Das ist eine vollkommen inakzeptable Situation. Den Kindern wurde vom Papa oder der Mama nicht klar gemacht, welche Bedeutung du hast. Er oder sie unterstützt dich nicht genug. Wenn du neu in der Familie bist, hat er oder sie dafür zu sorgen, dass du auch akzeptiert wirst. Man kann Gefühle nicht beeinflussen, aber man kann einfordern, dass sie sich nicht verletzend verhalten. Aber wenn ihnen klar wäre, welche wichtige Stellung du im Leben deines Partners oder Partnerin einnimmst, würden sie sich kaum so benehmen.

3.) Meine Kinder wollen nicht zur Familie meines Ex fahren:

Herausforderung: Immer wenn sie hinfahren sollen, gibt es eine Szene. Der oder die Ex meint, sie wären ganz unproblematisch wenn sie dann dort sind aber im Nachhinein klagen sie wieder bei mir.

Was tun?

In 90% der Fälle geht es bei diesem Verhalten darum die Elternteile gegeneinander auszuspielen. Die Kinder wollen einen Keil zwischen den Eltern treiben. Solche Dramen und Scheinallianzen zu initiieren können ein Gefühl der Macht geben. Flieg‘ also nicht auf diesen Trick rein! So lange du keinen ernsthaften Grund hast anzunehmen, dass es den Kindern in der Bonusfamilie schlecht geht, sollen sie auch auf jeden Fall hinfahren. In welchen Intervallen die Kinder dort sind, macht man sich mit dem oder der Ex aus bei der Trennung aus. Danach sollte diese Abmachung auch mit vollen Herzen eingehalten werden.

4.) Die Kinder wollen Weihnachten mit beiden Elternteilen feiern, wie früher:

Herausforderung: Traditionen sind dazu da gebrochen zu werden. So sagt man. Aber wenn es ums Eingemachte geht, will niemand gerne alte Gewohnheiten aufgeben. Vor allem Kinder nicht.

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Was tun?

Lieber  nicht gemeinsam Weihnachten feiern – als wäre nichts passiert! Nach ein paar Jahren vielleicht. Aber anfänglich sollte man klar markieren was Sache ist. Ansonsten hoffen die Kinder – und zwar vergeblich –   dass alles wieder gut wird.

Kein Kind mag es am 24.12. zwischen den Eltern hin und her zu fahren. Besser ist es die Feierei auf zwei Tage aufzuteilen. Wenn die Kinder zu Weihnachten bei dem einem Elternteil auch andere Verwandte treffen können, die extra anreisen, sollte man sie wahrscheinlich am 24.12 lieber dort feiern lassen vor allem wenn man selber nichts besonderes vor hat.

5.) Unsere Kinder verstehen sich nicht:

Herausforderung: Eigentlich hatten wir uns das anders vorgestellt. Wir haben von einer großen harmonischen Familie geträumt. Stattdessen streiten sich die Bonusgeschwister andauernd mit meinen Kindern.

Was tun?

Viele dieser Konflikte haben mit den Eltern zu tun. Sie können das Klima in einer Familie sehr stark beeinflussen. Versucht ein Elternteil zu stark die Familie in seine Gewohnheiten zu pressen? Ist ein Elternteil selbst sehr skeptisch gegenüber den Expartner oder Expartnerin und Zweitelternteil der Bonuskinder? Außerdem gibt es viele Altersgruppen und Intressen die nicht gut zusammenpassen. Eine 16jährige die in einer Death Metal Band spielt kann vielleicht weniger mit einem 10jährigen Streber-Buben anfangen. Als Eltern muss man flexibel sein. Im Extremfall kann man die Kinder abwechselnd bei sich wohnen lassen. Aber niemals dürfen die Kinder entscheiden, mit wem ihr zusammen sein sollt. Das ist nur eure Entscheidung.

Wer unter solchen oder ähnlichen Disharmonien in der Familie leidet, kann sich gerne an die Familienberatung der Stadt Wien wenden. Oft kommt man beim besten Willen allein nicht mehr weiter. Jemand von außen kann manchmal Wunder wirken.

 

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