Zeit genossen

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Freitag, wieder einmal. Die schwarzen Wolken lichten sich, bin angekommen im Fastdezember. Weihnachtsfan werde ich keiner mehr werden, aber das ist ja auch nicht von Nöten, Punsch wird auch ohne mich in Massen getrunken werden, da bin ich sicher, außer um einen süßen Umtrunk, da werde ich nicht drumherum kommen, Elternpflicht. Bier wäre mir lieber, aber gut, ich werde mich wahrscheinlich frierend an einem oldstylishfashioned Becher die Finger wärmen und von der bisher nie gekannten Symbiose von Rotwein, Zimt, Chili vielleicht mit Wasabi? brrr,schwärmen. Der diskrete Charme der Josefstadtbourgoisie.

Wir sind geladen, das Kind und ich, aber warum nicht in fremden Weltengärten stehen, Kochrezepte besprechen und fallende Zinsen, beides tangiert mich weniger als periphär. Zur Vorbereitung habe ich mir schon die Familienhomepage betrachtet, ich bin bereit, ich bin bereit, wie Spongebob, den das Kind früher so mochte und ich mochte seine ständige Bereitschaft.
Noch zwei Wochen bis dahin, auf einen Weihnachtsbrunch am 23.12.2012 freue ich mich hingegen, Freude beschwingt, Bereit sein macht Muskelangespannt gerade, ist Verliebtheit nicht eine Mischung aus Beidem und noch ein Wenig mehr?
Für Verliebtheit ist jetzt gerade keine Zeile frei, zurück zu Freundeskreisenden. ich schätze es sehr, das Eingeladen sein, finde sie sehr lieb, die, die einlädt, einkauft, herrichtet, es liebt zu bewirten, gerne schart um sich, ich bin keine Schar, das Kind und ich wir werden einschwärmen.
Oft möchte ich das auch, scheitere am Mangel aus Zeit und Energie oder Beidem oder Faulheit? ein bisschen sicher auch aus Scheu mein kleines Schloss zu öffnen. 4 Menschen bei mir, schon das macht mich nervös, ich habe nicht genug Sessel, es sollte schöner sein, man sollte hineinkommen und der Platz duftend heißt Willkommen, schon vorgewärmt, für jeden seinen Platz.
Wo das wieder herkommt? Wahrscheinlich meine eigene Sehnsucht, die immerwährende Suche nach Raum.
Vor Kurzem war ich bei einem Freund, ofenvorgewärmt für mich die wiesengrüne Kuscheldecke, hingelegt als ich hineinkam auf den mir zugedachten Sessel , geborgene Umsicht, zärtliche, flauschige Botschaft, fühl dich wohl, ich tats.
Eine Geste berührender als so manches große Wort, die Geste braucht keine Antwort, die Geste stellt keine Frage, ihr Sinn ist das Tun, eine Geste kann Vieles auslösen, viele kleine große Gesten folgen ihr,
im Guten wie im Schlechten.
Es gibt nicht nur die liebevollen Gesten, Abwertung, Interpretation, Voreingenommenheit, Abscheu, das ist auch in Ihrem Repertoire, auch wenn der Dialog vom Gegenteil spricht.
Gibt es verlogene Gesten?

Wenn ich wieder Spongebob bereit bin, lade ich ein, nehme ich mir vor. Muss ja nicht vornehm sein, Türenöffnen.

Habe mir vorgenommen mit mir umzugehen, wie mit einer Ausgabe der ZEIT.
Ich brauche meinen Platz, wer mich lesen will, setze sich hin, schaffe Raum die Seiten umzublättern, nicht alles kann und muss erfahren werden, aber ich glaube ein Teil meiner schlechten Laune kam aus dem Gefühl ein Wegwerfblatt zu sein, eine HEUTE Ausgabe, aus Langeweile und weil sie gerade da, ist kurz reingeschnuppert und wieder zur Seite geschmissen.
Das kann ich niemandem Vorwerfen, nur mir selbst.
Anders als eine Zeitung entscheide ja ich, ob ich mich entblättere oder entblättern lasse, hehe welch Wortspiel, wenn ich TÄGLICH ALLES (gibts das eigentlich noch) spiele, muss ich mich ja nicht wundern.

Ich wundere mich nicht.

Wäre schön wie die ZEIT zu sein, neuen Input zu liefern, sich Auseinaderzusetzen,Lust machen anderes zu sehen, nie ganz zu durchschauen und zum Durchschauen zu sein, klare uneitle Worte, jede Woche neu, denn es verändert sich viel.

Eine eitler Wunsch, ein hoher Anspruch, will ja nicht fallen und sinken in meinen Erwartungen an mich, mein Blick darf ganz nach oben auch, wer sollte es mir verbieten, dem verbiete ich das, wenn ich mich trau. Von den anderen erwarte ich nichts, nunja.., ich schaue was sie tun, was sie auf ihrem Blatt haben, ob sie bluffen, liegt oft auch an meinem Pokerface, spielen ist schön und manchmal grausam
bis einer weint.

Schaun mir mal.
Gestern war ich lange in der Badewanne, wollte schlafen gehen um 8, ganz einfach sagen,ich bin müde, bitte geh du dann um 10, mit 14 kann sie das,oder? Nachrichten gesehen und dann fing Woody Allens „Hannah und ihre Schwestern“ an, danach Annie Hall und dann noch Zelig, weil er morgen 77 wird der Woody. Mit ihm habe ich keinen Frieden mehr geschlossen, das ist ja auch Wurscht, seine neuen Filme schaue ich nicht mehr, aber „Hannah und ihre Schwestern“
da werde ich schwach.

Wie vor langer Zeit kann ich mich immer noch mit der verhuschten, erfolglosen, Kunstambitionierten Schwester identifizieren, die so leidenschaftlich kämpft um Zuversicht und selbst so wenig daran glaubt, die zu imponieren versucht und dann doch so gut fassungslos versteht, dass es sie ist, die der Mann zuerst nach Hause bringt, danach die kompatiblere ,egoschmeichelndere beste Freundin.
Kokain nehme ich nicht, aber warum sie es tut, das kenne ich auch.

Auch die Andere, die sich von Einem die Welt erklären lässt, der im Inneren nichts von ihr versteht, von der Welt nicht und schon gar nicht von ihrem Wesen und sie will ihm gefallen, sie himmelt ihn an, bis ja bis einer sie anhimmelt,
da schmeisst sie alles über Bord,

verrät die Schwester, saugt sie ein die Lücke, die der Schwager schließt.
Das geht nicht gut.

Auch die dritte Schwester, die sich so zurücknimmt, die alles versteht, alles verzeiht, sogar das Unausgesprochene nicht ausspricht und ungehört mitverzeiht, die stark ist, weil sie es sein musste, die dem Egoismus der Eltern noch das Liebenswerte abringt, sich daran hält, bis sie gehalten wird.

In allen Frauen finde ich mich, ein Stück.

Wieviele Facetten, wieviele Brüche, wieviel Sehnsucht in jedem von uns.
Tunnelblick negiert das oft, Tunnelblick, Nischengefühle, begrenzte Phantasie, ist so lange her, als ich diesen Film das erste Mal sah, er erinnert ich, an mich, an Vielfalt, an Mut, an anders heute und doch.

Also schlief ich doch nicht eher als das Kind, andersrum wäre es auch nicht verboten.

ich will mir nicht mehr verbieten, einladend zu sein, Türen zu öffnen, manche geschlossen zu halten, das Leben ist jetzt, Erfüllung hin oder her, nicht linear, auch die Zeit ist es nicht, an manchen Tagen tauchen ganz junge Gedanken auf, an anderen die an letze Stunden.
Nur das Hier und Jetzt zu sehen, beraubt, es zu vergessen, machte mich verloren, im Hier und Jetzt das zu regeln was zu regeln ist, lässt mich reisen durch die Zeit.

Machmal mit einem anderen zusammen 20 zu sein, muss gar nichts mit Midlife zu tun haben,
sondern mit Bewahren und Erwecken, manche erwecken ganz alte Seiten,
die frischer nicht sein könnten.
Herzerfrischendes Lachen aus einem so oft traurigen Mund schließt das Weinen mit ein,
der Grund der Tiefe aus dem Beides entspringt.

Ich trinke ein Bier und proste mir zu, welch Zufall, dass wir alle zur selben Zeit am Leben sind, eigentlich sind wir alle geladen, wir müssen uns nicht alle mögen, aber wie auf jeder guten Party,
könnten wir uns mit Neugier und Respekt behandeln, denn die Party wird enden.

oi oi das ist ja schon fast esoterisches Gewäsch, vielleicht doch ein Bier zuviel?
ist mir egal, ich sehs gerade so.

Heute habe ich einen Blog entdeckt,der mir sehr, sehr gefällt http://drueberleben.wordpress.com/
Ihr Buch werde ich mir kaufen.
Kathrin Weißling:

„Manchmal hält Mut Siesta, du sieht sie herumliegen, an einem Strohhalm kauend, auf die Wolken wartend, die sie zwingen aus dem Liegestuhl aufzustehen und sich gerade zu machen um für dich zu schreien. Und manchmal scheint die Sonne so lange, dass du gar nicht mehr weißt, wie du mutig aussehen kannst, wie mutig du eigentlich noch bist. Dann schickst du vielleicht ein Unwetter, damit du mal wieder aufstehen musst, damit du mal wieder aufgeregt bist.

Wahrheit ist nicht schwierig, nur mit ihr Händchenhalten ist Küssen mit Stacheldraht. Du musst ständig aufpassen, ob du dir nicht die Lippen verletzt, während die ganze Wahrheit aus deinem Mund herausquillt. Das sind schöne Worte für Mut. Und schöne Worte mit ganz viel Unmut. Und dass das nicht das Gegenteil von Mut ist weißt du, seitdem du mal vor lauter Unmut mutig gewesen bist und trotzdem am Ende eine blutige Lippe hattest.

Manchmal nützt es, den Kopf zu senken, denn Demut ist auch noch so eine Sache. Und manchmal nützt es, den Kopf nach oben zu strecken und darauf zu hoffen, dass das Unwetter, das dir in den Gliedern steckt, nur der Regen ist, der deine Hitzigkeit endlich wegspült. Manchmal solltest du einfach mal mutig sein. Und manchmal solltest du einfach mal in der Sonne liegen und die Fresse halten.“

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