Sommerplausch mit der Frauenministerin

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Sommerplausch mit der Ministerin über abwaschende Männer, dem Verhältnis zu ihrer Mutter und ihrem Job. Es ist heute  nicht leicht SPÖ-PolitikerIn zu sein:  Die SPÖ-Zielgruppe ist alles andere als homogen, die alten  sozialdemokratischen  Floskeln ziehen schon lange nicht mehr und  die Presse hat sich sowieso seit Jahren  auf die Sozis eingeschossen – kein Wunder, sind doch JournalistInnen zum Grossteil ÖVP und  GrünwählerInnen.

Aber auch der SPÖ-Apparat macht es einzelnen engagierten SPÖ-FunktionärInnen nicht leicht: SPÖ-Netzwerke bringen immer wieder die selben Apparatschiks hervor, die zwar den Sozi-Sprech hervorragend beherrschen, aber kaum mit neuen gesellschaftspolitischen Ideen aufwarten können.  Gabriele Heinisch-Hosek gehört nicht zum letzteren Typus. Sie ist eine Macher-Frau und sie hat keine Angst vor neuen Gesellschaftskonzepten.

Eben erst hat sie den ersten Schritt in  Richtung Einkommenstransparenz durchgesetzt. Vor einem Jahr noch hatte man in der SPÖ keine, oder eher eine skeptische Meinung zu einer allgemeinen  Offenlegung der Gehälter. Der Einkommenszettel war Privatsache und gleichzeitig der  Garant für ein Fortbestehen  der Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen. Dank der Frauenministerin gibt es nun zumindest in Betrieben mit mehr als 1000 MitarbeiterInnen die Pflicht zur Transparenz. Im Sommerplausch haben wir außerdem mit ihr über abwaschende Männer und  ihrem Verhältnis zu ihrer Mutter geredet.

Ihr Mann schreckt ja nicht vor dem Abwasch zurück. Waren Ihnen solche kooperative Charakterzüge in der Wahl Ihres Lebenspartners wichtig?

Mit 24 Jahren als mein Mann und ich zusammengezogen sind war mein feministisches Bewusstsein schon lange erwacht. Und da war die Frage, ob mein Partner sich auch gleichberechtigt an der Hausarbeit beteiligt, natürlich schon in jeder Hinsicht wichtig.

Was halten Sie von der oft gerade von Frauen – formulierten Meinung, dass Männer an Attraktivität verlieren, wenn sie bügeln und staubsaugen?

Diese Meinung halte ich für vollkommen unverständlich. Denn aus eigener Erfahrung weiß ich, dass alles was man sich teilt zu mehr Verlässlichkeit in einer Beziehung führt. Und wir alle wissen, dass jene Partnerschaften länger und glücklicher funktionieren, in denen Frauen und Männer die Arbeit partnerschaftlich teilen. Ja, die Gefahr einer Scheidung und Trennung sinkt sogar, wenn die Männer zuhause mittun.

Frauen stehen heute viel mehr im Leben als noch vor 20 Jahren. Sie arbeiten. Sie gründen Unternehmen. Sie sind sehr gebildet, fleißig und kreativ. Dafür gehen die Geburtenzahlen stark zurück. Gibt es da einen Zusammenhang? Und wie würden Sie ihn erklären?

Viele Frauen in Österreich wünschen sich ja Kinder. Das geht sowohl aus dem aktuellen Frauen- als auch aus dem Familienbericht hervor. Dass das Ja zum Kind aber dann trotzdem nicht stattfindet, hat sehr stark mit der fehlenden Kinderbetreuung zu tun. Die Vereinbarkeitspolitik hält in Österreich mit der Bildungs- und Ausbildungssituation der Frauen nicht Schritt. Da haben wir großen Handlungsbedarf.

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Sie selbst haben keine eigenen Kinder? Gibt es dazu eine Geschichte?

Zuerst habe ich den Kinderwunsch zu lange aufgeschoben, dann erledigte ein gynäkologischer Eingriff diese Frage. Aber ich durfte dann mit über 40 Jahren ein schwerstbehindertes Kind für 3 Jahre betreuen und begleiten. Man kann also sagen, ich war Mutter auf Zeit.

Frauen drängen immer mehr in männliches Hoheitsgebiet. Die 70er-Feministinnen dürfen sich freuen einem anderen Phänomen können sie aber weniger abgewinnen: Junge Frauen sind heute noch mehr auf ihr Äußeres bedacht als damals und zwar einem betont weiblichem Äußeren. Sich Haare wachsen zu lassen an diversen Körperstellen (die nicht der Kopf sind) ist heute undenkbar, hingegen sind Extensions und extravagante Maniküren Normalität. Der Trend zur Schönheits-OP wird auch in den nächsten Jahren höchstwahrscheinlich zunehmen?

Die Frage nach der Ursache ist nicht so bedeutend, wie die Frage, was wir tun können, damit wir jungen Mädchen Selbstvertrauen mit auf den Weg geben. Damit sie sich nicht zu Tode hungern oder eine Schönheits-OP nach der anderen über sich ergehen lassen. Und was wir PolitikerInnen tun müssen, damit Eltern ihren Kindern nicht schon zum 18. Geburtstag oder zur Matura eine Brustvergrößerung schenken.

Ein Themenbereich der Ihnen auch am Herzen liegt, ist Mobbing am Arbeitsplatz. Wie sollte ein Unternehmen strukturiert sein, damit Mobbing verhindert werden kann?

Prinzipiell bin ich der Meinung, dass Unternehmen in denen die MitarbeiterInnen bei der Erstellung des Leitbildes mitarbeiten und das auch bei internen Evaluierungen abgefragt wird, besser in Hinblick auf das Thema Mobbing aussteigen. Denn dort gedeiht die Mobbingkultur nicht so leicht. Unternehmen, deren Philosophie es also ist, dass alle MitarbeiterInnen gleich wertvoll sind, steigen da einfach besser aus.

Österreich hat einen extrem hohen Anteil an ArbeitsnehmerInnen, die über Mobbing klagen. Warum gerade Österreich?

Mir sind jetzt keine internationalen Vergleichszahlen im Kopf. Ich kann aber sagen, dass wir das Thema Mobbing in Österreich sehr ernst nehmen müssen. Daher haben wir in meinem Aufgabenbereich als BeamtInnenministerin auch schon letztes Jahr beschlossen, dass Mobbing im öffentlichen Dienst eine grobe Dienstpflichtverletzung darstellt und damit geahndet werden muss. Ich würde mir wünschen, dass da die Privatwirtschaft nachzieht.

Unser aller Geschlechterrollen-Verständnis wird ja stark durch unsere Erziehung bestimmt. Was für eine Persönlichkeit ist Ihre Mutter?

Meine Mutter lebte immer eine sehr klassische Rollenaufteilung. Sie war sehr lange bei uns Kindern daheim, ging erst wieder arbeiten, als mein jüngerer Bruder 10 war. Dann hat sie aber die Arbeit sehr geliebt und immer betont, wie sehr der Job ihr Leben bereichert.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihr?

Dadurch, dass sie immer diese klassische Rollenaufteilung gelebt hat, ist sie heute auch in vielen Dingen sehr unselbständig. Ich kümmere mich daher um Termine, wie etwa Arztbesuche, übernehme Behördengänge, usw. Ich denke, sie schätzt es sehr, dass ich für sie in diesen Bereichen da bin.

 

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