Feudalstrukturen in Österreich

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Was ich gar nicht leiden kann, sind süffisante selbstverliebte JournalistInnen, die auf ihre InterviewpartnerInnen herabschauen. Besonders gerne verhalten sie sich gegenüber PolitikerInnen so. Darabos ist im Moment oft Zielscheibe des unsachlichen Spotts der MedienvertreterInnen. Und fast alle stellen empört und gleichzeitig schadenfreudig erregt die Frage, wie man denn nur einen General kündigen könne!? Will er sich damit die eigenen Leute zum Feind machen?! Dabei brauche er ja die Offiziere etc. um womögliche Reformen durchzuführen!

Da sprechen die gelernten ÖsterreicherInnen. Denn bei uns in Österreich gelten Feudalstrukturen. Wer sich seine Pfründe mal gesichert hat, braucht sie nie mehr aufzugeben. Auch wenn sie ihm von Anfang an nicht zugestanden haben. Und das gilt auch für staatliche Werte. Nicht wir SteuerzahlerInnen haben die demokratische Entscheidungsgewalt über das Bildungssystem – sondern die LehrerInnen. Es kann keine Reform geben, wenn sie nicht dafür sind, denn es betrifft ja schließlich deren Arbeitsplatz. Nicht das Parlament entscheidet über die BeamtInnenpensionen, sondern die BeamtInnen, denn es betrifft ja schließlich die Pensionen der BeamtInnen. Nicht der Nationalrat entscheidet über die Abschaffung des Präsenzdiensts, sondern die Chefs der Präsenzdiener, denn es werden nicht mehr so viele Chefs gebraucht werden, wenn es weniger Untertanen zu befehlen gibt. Das betrifft also die Offiziere ganz stark und daher steht ihnen ein Mitspracherecht zu. Und was ist, frage ich, wenn die Offiziere entscheiden, dass sie sich eigentlich in einer Militärdiktatur besonders gut entfalten könnten??? Eben. Natürlich hat das Militär nicht darüber mitzuentscheiden, wie das Bundesheer strukturiert werden soll! Umstrukturierungen, die Systeme und Institutionen betreffen, die der Allgemeinheit dienen, müssen ganzheitlich bewertet werden. Leute, die in diesen Systemen arbeiten, können das meistens nicht (woher auch?) und haben vor allem eins im Sinn: Ihren Vorteil.

Der abgeschnittene Kerl im TV hinter mir ist übrigens der Darabos, dem man immer vorwirft, er könne als Zivildiener nicht das Heer befehlen. Die Minister vor ihm waren übrigens in der Regel untauglich, oder aus abenteuerlichen Gründen vom Präsenzdienst befreit. Da hat niemand gespottet.

Das  abgeschnittene Bild meines Haupt läßt übrigens einen neuen Haarschnitt erahnen, mit dem ich aber gar nicht zufrieden bin.

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About Author

Patrice Fuchs ist 41 Jahre alt, betreibt in Wien ein Umstandsmoden- und ein Designgeschäft, eine Zeitung "Familie Rockt", eine Fernsehshow "Familie Rockt TV", dreht Dokumentationen und unterhält dieses Elternblogportal. Aja und Mama von drei Gschropen ist sie auch.

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