Meine neue Wohnung

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Ich habe mich immer für Renovierungen, Design und Häuser interessiert. Seit ich erwachsen bin, hatte ich immer ein oder mehrere Renovierungsprojekte am Laufen. Wenn ich mit einem fertig bin, warten meine FreundInnen bereits darauf, dass ich plötzlich und “überraschend” ein neues finde. Zum Beispiel kaufte ich mit 26 eine kleine Wohnung im 5. Bezirk. In der gab es nichts. Kein Wasser, keine Heizung, keine Küche, kein Bad, aber sehr viele Wände. Die Wände waren aus Neusiedlerseeschilff und ich habe sie niedergerissen. Dann habe ich die Elektrik und Anschlüsse installieren lassen. Die gesamten Wände habe ich dann selber verputzt, eine gusseiserne Badewanne ins Bad gestellt und dann eingemauert – weil andersrum wäre es nicht gegangen. Schlussendlich ließ ich in die Küche noch ein Fenster einbauen, damit sie von beiden Seiten Licht bekommt und habe noch ein weiteres kleines ovales Altbaufenster oberhalb der Küchenkästen eingebaut, damit sie einen zusätzlichen Charme erhält und außerdem in den Raum dahinter mehr Licht einfällt.

ovales fensterDanach zog ich in eine renovierungsbedürftige Wohnung in der Mollardgasse und fand 3 Jahre später eine tolle Wohnung im 7. Bezirk, die man auch herrichten musste. In der wohne ich jetzt bereits einige Jahre. Sicher so 5-6 Jahre. So lange habe ich noch nie wo gewohnt. Es ist eine schöne Wohnung, aber ich mag sie nicht 100%. Vielleicht so 75%. Oder auch 65%. Sie ist eine klassische Altbauwohnung. Unpraktischer Grundriss, kleine Schlauchküche und sie liegt in einer müde Gasse. Sie hat zugegebenerweise auch viele Plus: Einen Erker, einen Klopfbalkon und ein schönes Bad (weil wir es voriges Jahr saniert haben).

bad renovierenIch und mein Mann Micke betreiben einen kleinen Designladen mitten in Wien. Dort verkaufen wir vor allem skandinavisches Einrichtungsdesign. Das kommt nämlich davon: Ich bin in Göteborg geboren und habe Familie in Norrland gehabt, wo meine Mama herkommt. Seit meinen 7 Lebensjahr wohne ich in Wien.

SAMSUNG CSCWir verkaufen zB dänische und schwedische Baumwollteppiche mit Naturdruck

Meine Familie mütterlicherseits war immer sehr design- und handwerksinteressiert. Mein Opa war Auktionist, Kunstsammler und hat selber gerne gewebt. Meine Oma war Köchin und Bäckerin und konnte zwanghaft schön häkeln und stricken. Meine Mama hat Volkswirtschaft studiert aber auch Malerei. Meine Großonkeln waren begabte Maler und Schnitzer. Von meiner väterlichen Seite habe ich weniger Designaffinität mitbekommen, obwohl mein Vater auch Geschmack hat. Aber von der Linie habe ich eher Musik und Geselligkeit mitbekommen. Diese Seite meiner Familie hat nämlich in Breitenstein beim Semmering eine Gastwirtschaft betrieben. Früher musste man im Gasthaus singen, wenn man die Leute bei Laune halten wollte. Und das hat mein Opa können und seine Söhne haben es auch von früh auf gelernt. Dann wurde gelacht und gesungen und an der Schank gab es genug Arbeit.

patrice popshopVielleicht verkaufen wir auch deswegen in unserem Designladen guten Espresso und wenn ich Zeit habe, backe ich auch schwedische Kuchen dazu. Auch die Familie von Micke ist gastrogeprägt. Er kocht auch sehr gut. Sein ausgeprägtes Talent zu Dekorieren hat er aber ganz von allein entwickelt.

popshop designUnser Popshop

Oberhalb von unserem kleinen feinen Laden, wohnte immer eine ältere Frau. Sie hatte viele Katzen und ein schlechtes Katzenkisterlausleermanagement. Sie war Archäologin gewesen und hat in den 60ern und 70ern und vielleicht auch in den 80ern viele Partys gefeiert. In ihrer Wohnung. Sie war sehr nett und interessant. Eine ungewöhnliche Wiener Frau. Letztes Jahr ist sie aber plötzlich gestorben.

Nach 1 Monat kamen die Räumungsmänner. Ich fragte sie ob ich mir die Wohnung ansehen dürfe. Mich interessieren Wohnung ja grundsätzlich. Ich durfte also einen Blick reinwerfen und war sofort gefesselt. Die Wohnung war gar nicht hell und die hinteren Zimmer auch nicht wirklich einladend, aber es gab überall Ecken und Details, die sich von anderen Altbauwohnungen in Wien abhoben. Als ich wieder rausging, dachte ich mir das erste Mal: Stell dir vor, man würde so nahe am Geschäft wohnen. Wäre das nicht praktisch? Ich wußte, ich hatte angedockt.

Und ab diesen Tag gingen die Motoren im Kopf los. Der skurrile Grundriss der Wohnung prägte sich immer fester ein, die Zeitersparnis durch die Nähe zum Laden, kam mir mit jedem Tag wertvoller vor und einige Wochen darauf, schrieb ich dem Besitzer der Wohnung, ob er sie denn nicht vermieten wollte? Der Vermieter ist ein netter, gescheiter Mann. Aber er hat sehr viel Wichtigeres zu tun, als eine Wohnung im 6. Bezirk zu vermieten. Und so dauerte es noch Monate bis er sich überhaupt im Klaren war, was er mit der Wohnung vorhatte. Doch dann machte er mir im Sommer ein Angebot. Leider konnte ich es nicht annehmen, denn es war viel zu teuer.

Meine neue Wohnung

Ein paar Monate später, hatte ich noch immer nichts von ihm gehört, dass mich hoffen ließ, es gebe noch eine realistische Chance auf die Wohnung. Endlich ließ ich das Traumprojekt los. Ich sah ein, dass es nichts bringt so fixiert zu sein. Ich begann mich nach einer anderen Wohnung in der Gegend umzusehen. Sie sollte interessanter und freundlicher sein, als die jetzige und deutlich näher beim Geschäft liegen. Und ich fand tatsächlich eine. 130qm zu einem leistbaren Preis, nur 5 Minuten vom Laden entfernt. Nach dem Umbau würde diese Wohnung herrlich aussehen und sie hatte Zugang zu einem richtig netten Garten. Das Beste: Ich hatte eine realistische Chance sie zu bekommen. Das alles schrieb ich dem Vermieter, damit ich ihm eine letzte Chance geben konnte, sich von mir als potentielle Mieterin zu verabschieden. Stattdessen kam aber ein Mail von ihm zurück, in dem er mir einen leistbaren und vernünftigen Vorschlag zur Anmietung meiner Traumwohnung machte.

Ich war paff und überfordert. Und glücklich. Ein Jahr hatte ich gehofft und Mails geschrieben und die Wohnung im Geiste bereits 1000 Mal hergerichtet. Doch seit einigen Wochen laufen die Renovierungsarbeiten in der Realität auf Hochtouren. Und ich darf in Abstimmung mit dem Vermieter bestimmten, wie die Wohnung renoviert werden soll. Alle Extras, die teuerer sind, als vom Vermieter kalkuliert, zahle ich selber. Es gibt viele Entscheidungen zu treffen und viele Lösungen zu finden. Ich will hier alle Schritte der Renovierung festhalten und dokumentieren.

plan

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6 Kommentare

  1. @michaela: Ja, Semmering trifft es eher:-) Autotext weiß es aber immer besser. @lisa: Es gibt schon einen aktuelleren Post mit zumindest einem Foto:-) Es werden mehrere kommen.

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