Hinter den Bergen bei den 7 Zwergen

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den ganzen Samstag verbrachte ich im Kreise meiner KollegInnen und Vorgesetzten, nicht weil wir uns alle so lieb haben, sondern weil man das so macht als Unternehmen, man geht auf Klausur, ein Begriff der sicher zu recht im Klosterwesen verwendet wird, vielleicht kommt er auch daher, hätte ich vorher googeln sollen, aber ich hatte keine Lust. Auf die Klausur hatte ich auch keine Lust, aber ich musste hin, obwohl ich kein ewiges Gelübde abgelegt habe, solange ich dort mein Brot verdiene, heißt es, Lächeln aufsetzen und PUNKT 9 Uhr Samstag, das Gebäude betreten, das ich sonst nur von Montag bis Freitag von Innen sehe.

Diesmal war es recht harmlos, keine Gruppendynamischen Übungen, keinen Trommelexzess zum Ende. Einmal wagte ich es nicht teilzunehmen, da schliefen sie dann im Stockbettsechserzimmer und halfen sich auf Bäume zu steigen, Ringelpietz mit Anfassen also, da lehnte ich dankend ab, was ich im Bett trage, geht keinen aus meinem Arbeitsumfeld etwas an. Punkt. Da war mir sogar das Brot wurscht.

Diesmal nur der übliche pseudoengagierte Tagesanimationsablauf, ich habe alles mitgemacht, versuchte meine Gesicht unter Kontrolle zu halten weder besonders angenehm noch unangehm aufzufallen, ich weiß nicht, ob es gelang.

Das Beste am Tag war das Essen am Abend, vorallem so eine Mischung aus Scampi, Zwiebeln und Avocado stimmten mich mit 8 Tassen Kaffee und dem vorher leeren Magen, kurz versöhnt, ich die Tippfehlerqueen hatte zuerst verhöhnt geschrieben, wie komm ich nur auf sowas verhöhnt?

Apropos verhöhnt, versöhnt und Gruppendynamik, Haltungsübungen und Zwangsbeglückung,

meine Lieben, ich habe beschlossen

SCHLUSS MIT DEM ARMEN OPFERGETUE, SCHLUSS MIT DEN HÄNGENDEN SCHULTERN, SCHLUSS MIT DEM GLAUBEN

alles drehe sich nur um mich.

Haha es prallt an mir ab, soll mich doch jeder anschauen und sich denken was immer er will.

Ja ich bin nicht mehr jung, das sieht man auch und?

Ja mein Körper ist von stahlhart soweit entfernt wie HC Strache von Intelligenz

Ja ich bin NICHT die perfekte Mutter

Ja ich habe viele Bildungslücken

Ja ich vergreife mich oft im Ton

Ja ich könnte ganz woanders sein

Ja ich bin viele Wege nicht zu Ende gegangen

Ja manchmal bin ich auch feige

UND?

ich habe keine Lust mehr mein größter Feind zu sein und meine Mitmenschen zur Armee meiner selbst zu machen, die mit Messerscharfen sezierenden Blicken jeden meiner Schritte zum Spießrutenlauf macht.

ICH BIN UND ICH MACHE WAS ICH WILL, wer sollte es denn an meiner Statt tun?

Es ist mir mal wieder absolut komplett wurscht, ich übernehme Verantwortung für mich.

Die meisten Menschen sind sowieso ausschließlich nur mit sich beschäftigt, wie sollten sie mich werten können, als das was ich bin, denn sie sehen mich gar nicht,

nur sich selbst, mich auf Spiegelglatt gebürstet, sucht euch eine andere Schaufensterscheibe, ich bin ein Relief, Ecken, Kanten, Schnitze, Schnitte und Brüche, aber perfekte Rundungen, Schnörkel und Harmonie, ich bin harmonisch Innen und Außen, denn ich bin ich, wer sollte sagen, es stimmt etwas nicht mit mir, wer beurteilt die Summe der Gene die mein Gesicht formten, wer sollte von Außen sehen, was in mir war und ist

und wen zur Hölle, interessiert das schon in Wahrheit?

MICH!

So das heißt nicht, dass ich nicht gerne kokett bin, gefallen möchte, eloquent und brilliant, das Umwerfend schön sein würde ich nicht ablehnen, dass man mir verfällt, naja verfallen, Verfall, lieber ist mir ein Vis a Vis und ein aufrecht gehen miteinander, aufeinanderzu oder von einander weg

nachdem man sich gesehen hat.

Am Samstag fährt das Kind also wieder auf Skikurs und ich werde verstrubbelt wie immer ihr mit den Miteltern fröhlich bei der Busabfahrt zuwinken.

Wer immer sich dabei auch was immer über mich denken mag, den nicht perfekten Koffer, das fehlende Auto, den nicht vorhandenen Gatten an meiner Seite, meine Stirnfalten, der wird das schon brauchen, um sich besser zu fühln, ich schau lieber in die Augen, in denen ich echte Sympathie sehe, die ineinander die Verbundenheit dieses seltsamen Zustandes Lebens suchen und der Humor, der in allem zu finden ist, wenn man ihn sucht,

wer mir sotief  in die Augen schauen möchte

gerne

zudem finde ich

so schöne Augen sind schwer zu finden.

Ich habe sie.

 

Nachtrag zum Thema, der Blick von Außen und ich habe gerade Tränen darüber gelacht..http://www.youtube.com/watch?v=4DNYGuoHkHU

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2 Kommentare

  1. Funkelblau on

    Sollte man schon, also das Haus verlassen, ist aber eine Kostenfrage und wir alle wisen, die Zeiten sind schlecht. Das war ja auch Inhalt und Botschaft.

  2. Was ich nicht verstehe: Ihr macht Klausur im selben Haus, wo ihr auch arbeitet. Ist das nicht etwas ungewöhnlich? Sollte man nicht den gewöhnlichen Arbeitsalltag verlassen wenn man Klausur macht?
    Und gut find ich den Abschnitt über deinen Nicht-Perfektionismus!

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