In der Kommunalka

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Vor den Semesterferien lagen D und ich vor dem TV und sahen eine Doku über eine Kommunalka in St.Petersburg. Kommunalkas sind eine seit dem 19. Jahrhundert in Russland bestehende Wohnform, bei der sich mehrere Familien eine große Wohnung teilen. Jede hat ein oder mehrere Zimmer für sich während die Sanitär- und Kücheneinrichtungen gemeinsam genützt werden. „Ich find das ja keine schlechte Wohnform,“ sag ich zu D über die Couch, aber der ist schon eingeschlafen und kann nix dagegen sagen, was er sicher täte wenn er noch wach… Ein paar Tage später verlassen wir im vollgepackten Auto das graue Wien Richtung unserer Kommunalka for one week.

Unsere Kommunalka liegt nicht in St. Petersburg, sondern in den Kärntner Bergen in einer cosy Hütte. Die Hütte ist für 14 Personen konzipiert, wir rocken die Hütte zu 21. Wir teilen uns die Duschen, machen ein Frauen- und ein Männerklo, kochen für einander, schütten den Kindern in der Früh ihre Schokos ins Schüsserl, trinken ein bisserl zu viel, jetzt bis auf die L, lernen den großen Buben Bauernschnapsen, schicken die Kinder in der Früh schon allein in die Stube weil Juhu unsere Mausis zählen jetzt schon den Großen und es gibt verlässlich Kinder die vor ihnen munter sind. Wir rutschen auf Popdeckeln durch den Schnee, sitzen in der Sonne,schmusen auf dem Sessellift, gehen Skifahren, wir snowboarden, wir mutieren am letzen Tag zu Eislaufmuttis und brav holen die Kinder dann auch Gold beim Skikursrennen. Wir lassen uns vom Kärntner Hüttenwirt einreden das man bei ihnen zum Milchschaum auf dem Cappuccino Scham sagt, traun uns das aber dann nicht so bestellen und wir lassen bis auf das Dschungelcampfinale den TV brav abgedreht .

Schee woars wird die U dann beim Abschied sagen. Ja werden alle anderen antworten. Und nächstes Jahr wieder. Weil es gut ist wenn man mit den FreundInnen ist und den dazugehörigen Kindern und dem Tuba. Weil wir wir das gut können hier, so eine Kommunalka auf Zeit, vor allem dort oben am Berg. So richtig drüber sein, im besten Sinne. So gute Luft und so liebe Kinder. So das du an das Traurige der letzten Wochen denken kannst ohne sofort weinen zu müssen. So das du ihr Foto auf deinem Nachtkasterl anschauen kannst ohne das dir die Tränen ein die Augen schießen, so das du von ihr erzählen kannst ohne das dir die Worte im Hals stecken bleiben. So ist es am Berg, dass das was dich hier unten so traurig macht ein Stückerl besser zu fassen ist.

Und dann sind wir wieder in Wien und dir wird klar dass es den Menschen, den du nach jedem Urlaub angerufen hast, um ihr zu sagen dass wir alle wieder gut zuhause angekommen sind, nicht mehr gibt. Meine Omama ist Mitte Jänner gestorben. Sie fehlt uns allen sehr.

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4 Kommentare

  1. liebe mother-mable, wenn es die ilonka war, dann hast du ihr in der letzten kolumne ein würdiges denkmal gesetzt. wie traurig, dass sie nicht mehr ist, wie liebevoll du von ihr schreibst und wie (ein bißchen, bald) tröstlich jetzt für elsa, dass der schmerz vielleicht irgendwann ein bißchen weniger scharf wird…

    • mother mable on

      Ja, das ist sie:-) beimn schreiben des artikels war nicht absehbar das sobald noch mehr da sein wird…und ich glaub ich muss noch mehr über sie schreiben:-) und trotzdem ist es immer zu früh.

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