ich hab ein zärtliches Gefühl

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in meinen frühen Jahren lauschte ich vielen Liedern, nicht weil sie cool oder in oder tanzbar waren, im Gegenteil, allein in meinem Zimmer, fast heimlich, tröstete mich einer besonders, bis heute liebe ich Männerstimmen mit niederländischem Akzent.

In all der Verwirrung der Welt um mich, die so schwer war und so schwer zu verstehen, keinen Platz fand ich für mich und meine Gefühle, andere waren zu präsent, voller Misstrauen, voller Eifersucht, voller Leid, voller Lügen, voller Suche nach Halt, immer mit dem Gefühl im Herzen, ich bin anders und niemals wird das jemand verstehen, allein, seltsam, sehnsüchtig, verschnörkelt, unendlich traurig und doch ausgestattet mit dem tiefsten Bewusstsein wie schön das Leben ist, in den einfachsten Dingen zu entdecken und vielleicht die

Liebe.

ich schreibe hier über mich im Alter von 16, ein bisschen gültig ist das aber noch immer, ein bisschen.

Einen liebte ich für das was er sang so, dass mir die Tränen kamen, weil er mich aufhob, mir half zu sehen, dass ich nicht allein bin mit dem was mein Herz so vor sich hin beglückt und malträtiert, geborgene Momente verbrachte ich, wenn ich seiner Stimme lauschte.

Ist schon seltsam wie bedeutungsvoll die Worte eines Unbekannten einem sein können, umarmt von Liedern, gestreichelt von Worten, jeder Ton sagte mir damals, das was so dringend gehört werden musste

du darfst so sein.

Viele, viele Jahre sind seither vergangen, viel andere Musik habe ich gehört, Musik von der man in der Öffentlichkeit sagen kann, die mag ich und man sagt damit das richtige, für die anderen. Nein, das ist zu negativ, viele andere bedeuten mir viel, in der Musik und im Leben und ich bin nicht mehr aduleszent und verwirrt, ich bin erwachsen geworden, zum größten Teil.

Die Sehnsucht aber, die ist geblieben, manchmal die Verlorenheit und der Wunsch nach Vertrautheit, da kann es schon passieren, dass ich zum Weinen anfange, wenn Meryl Streep in “wenn Liebe so einfach wäre” einen Affaire mit ihrem Exmann anfängt, gerührt werde ich von der Verbundenheit der beiden, all den Verletzungen ihrer Geschichte zum Trotz,  die Textzeile in “it had to be you” halte ich für die schönste in allen Liebesliedern

“with all your faults i love you still”

Ist es erschreckend oder ist es schön, dass in der Tiefe meines Wesens ich immer noch die selben Dinge sehne? Oder gilt das in Wahrheit hinter all den Masken und Verkleidungen für alle ? Denn so besonders bin ich nicht, vielleicht sentimentaler als der Durchschnitt, vielleicht weil mir bis heute so viel blieb,

das die Erfüllung erahnt?

Vielleicht sind es die Jahre, kommende hormonelle Veränderungen, in der Pubertät beginnt sie irgendwann die Fruchtbarkeit, als Frau über 40 wird sie irgendwann gehen. Das ist sicher nicht einfach, wenn ein Teil davon ist, dass man seiner Sehnsucht wieder näher kommt hinter all dem Schnickschnack, dass es so stark nicht mehr zu negieren wird, die Emotion, dann werden das sehr bewegte, nahe Jahre,  Verjüngung im Älterwerden, denn eines ist klar

vor mir steht nicht mehr die Unendlichkeit der Zukunft, der Reichtum und der Irrgarten mit dem ich nicht umgehen konnte, in den Jahren unter 20, vielleicht kann ich es jetzt.

Die Angst ist kleiner geworden, das Herz größer.

Wieviele Worte nur um eine Begegnung zu beschreiben, ach was du alles in mir freisetzt,

Hermann.

Gestern Nacht, nach einem seltsamen Abend mit zuviel Bier um 1.20 Uhr in der Früh kurz vor der Oper, kommt er mir entgegen. Ich schaue ihn an, ich erkenne ihn, ich schau ihm tief in die Augen,

er schaut tief und lang zurück, vertraut,

als ob wir uns kennen.

 

Hermann van Veen

Ich hab’ ein zärtliches Gefühl
für den, der sich zu träumen traut
der, wenn sein Traum die Wahrheit trifft
noch lachen kann – wenn auch zu laut

Ich hab’ ein zärtliches Gefühl
für jede Frau, für jeden Mann
für jeden Menschen, wenn er nur
vollkommen wehrlos lieben kann

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