Männerkarenz unter der Lupe! Was ist los mit uns Männern?

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Kampagne `Echte Männer gehen in Karenz’ zur Männerkarenz


Das Frauenministerium startete diese Woche die Kampagne `Echte Männer gehen in Karenz’ zur Männerkarenz.
Es sollen nämlich auch in Österreich endlich mehr Männer eine Auszeit mit ihren Kindern nehmen. Seit dem einkommensabhängigen Karenzgeld, sollte das ja eigentlich kein Problem mehr sein.

Männerkarenz

Wir haben einen Papa in Männerkarenz nach seiner Meinung dazu befragt. Johnatan Stepanek war mit seinem Buben ein halbes Jahr daheim:

Trailer: Echte Männer gehen in Karenz

Johnatan:

Man lebt nur einmal – der Erfahrung nach. Eigentlich unvorstellbar, dass  trotzdem  nur 5% der österreichischen Männer für ein paar Monate mit ihren Kindern zu Hause bleiben wollen. Was soll dieses Männerkarenz-Desaster? Wie einfältig ist  unsere Lebensplanung? Da muss doch mehr drinn sein?!

Was sind die Gründe?

Sind 95% aller österreichischen Väter unfähig etwas so anspruchsvolles zu erledigen, wie eine blöde Windel wechseln und eine Flasche Milch zu halten? I don’t think so.

Können 95% aller österreichischen Väter – trotz enkommensabhängigem Karenzgeld – tatsächlich nicht einmal für drei Monate in Karenz gehen, weil sie sich die Geldeinbußen nicht leisten können? Kann das sein?

Können 95% aller österreichischen Väter tatsächlich nicht  einmal für drei Monate in Karenz gehen, weil sie sonst alle ihren Job verlieren würden. Kann das sein?

Und  was ist dann mit den  Frauen? Bei denen  geht das alles ohne Probleme? Oder macht es den Frauen  weniger aus, wenn sie weniger Geld haben oder  ihren Job verlieren? Wohl kaum. Karenz bedeutet immer einerseits Verzicht  und andererseits  eine Bereicherung. Sowohl für Männer als auch für Frauen.

Geh in Männerkarenz und du bist den Job los

Ein Mann der ankündigt in Karenz zu gehen, vermittelt  die unterschwellige Botschaft, dass die Arbeit nicht das Allerwichtigste in seinem Leben ist. Eine kleine Provokation für den Arbeitsgeber.

In seiner Abwesenheit muss für Ersatz gesorgt werden. Mühsam für den Arbeitsgeber. Und gleichzeitig ein Grund warum Arbeitsgeber viele Positionen lieber mit Männern als mit Frauen besetzen. Rein statistisch gesehen muss er sich nicht erwarten, dass dieser jemals in Karenz gehen wird. Was für ein Affront, wenn er es  wider erwarten doch  plötzlich tun will!

Ein Mann, der ankündigt in Karenz zu gehen, zeigt sich unmännlich und den anderen Männern gegenüber  irgendwie illoyal. Eine Provokation für alle anderen Männer am Arbeitsplatz.

Ein Mann, der in Väterkarenz geht, ist ein besserer Vater, ein modernerer Mann und ein Mensch, der seine Lebensplanung selbst in die Hand nimmt. Was für eine Provokation für alle anderen Männer, die weiterhin im Hamsterrad vor sich hin hetzen.

Weicheier

Um sich   in dieser Gesellschaft zu trauen  in Karenz zu gehen, muss Mann also sehr wohl Eier haben. Aber gleichzeitig dürfen  wir  doch auch keine  Weicheier sein! Was ist uns wichtig im Leben? Und ich denke, da gibt es schwierigere Dinge durchzusetzen, als eine kleine Karenzzeit.

Ein paar Monate in Karenz zu gehen, kostet Geld, genauso wie es  der Frau Geld kostet. Vielleicht ein wenig mehr. Aber, sind wir mal  ehrlich: Verzichten wir  halt im Geburtsjahr auf den Urlaub, oder auf irgendwas anderes Materielles – das ist verkraftbar.  Jeder von uns gibt oft genug unnötig viel Geld aus. Ein paar Monate die Verantwortung für unser Kind zu übernehmen, muss den Verzicht  wert sein. Da laß ich keine Ausreden gelten.

Und immer wieder mit dem Argument zu kommen `es könne unserer Karriere schaden’ ist nur halb wahr. Das ist fast schon eine halbbewußte Halblüge.

Wie viel Prozent  aller Männer, die in Karenz waren, haben danach beruflich tatsächlich darunter gelitten?  Ich sage, prozentuell sind es weniger, als Frauen.    Es wurde jedenfalls öfter damit gedroht, als es dann wirklich passiert ist  UND das hat einen einfachen Grund:

Der Satz `Jeder Mann ist austauschbar’ ist so nicht wahr. Die Gesellschaft versucht uns diesen Satz immer und immer wieder  reinzudrücken. Wir Arbeitnehmer sollen uns möglichst nicht wertvoll fühlen! Dabei ist ein gut eingearbeiteter, kompetenter Arbeitnehmer für den Arbeitsgeber ein Segen. Einen neuen Mitarbeiter zu  suchen und vor allem auch zu finden, der gut in die Position passt, ist ein Kunststück. Er wird sich also hüten leichtfertig einen Austausch vorzunehmen.

Komplett

Ich war ein halbes Jahr mit meinem Sohn in Männerkarenz. Und ich muss sagen, die Männerkarenz hat mich erst komplett gemacht. Ich bin jetzt Spezialist, was meinen Sohn betrifft. Ich muss nicht meine Frau als Oberspezialistin sehen, der ich im Zweifelsfall  das Kommando übergebe.  Und sie  muss sich nicht mit ihrer Mutterrolle überidentifizieren. Sie hat  in mir einen gleichwertigen Partner, mit dem sie sich über alle Kinderthemen austauschen kann.

Ich muss daher nicht nach der Arbeit in eine Art  `Paparolle’ schlüpfen, in der ich keine Übung habe und die mir selbst ein wenig gekünstelt vorkommt. Diese Mitverantwortung zu tragen hat mich stolz  gemacht. Als meine Frau mit unseren Sohn in Karenz war, wollte er sich nur von ihr trösten lassen. Als ich mit ihm in Väterkarenz war, war ich die Hauptbezugsperson. Das war sehr wichtig für mich das auch zu erleben.

Das einzige worüber ich manchmal grüble, ist die Tatsache, dass ich die Männerkarenz gerne fiftyfifty mit meiner Frau geteilt hätte. Ich seh eigentlich nicht ganz ein, warum sie ein Jahr daheim bleiben durfte/musste und ich nur ein halbes Jahr. Diese Tendenz muss ja eigentlich nicht sein.

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4 Kommentare

  1. Wir haben uns dafür entschieden, dass mein Mann 12 Monate in Karenz geht und ich gleich nach dem Mutterschutz weder arbeiten gehe. Mit welch Vorurteilen man jedoch (als Frau als auch als Mann) rechnen muss ist wirklich ungeheuerlich. Angefangen von Anfeindungen bei öffentlichen Stellen bis hin zu Unverständnis beim Arbeitgeber (in unserem Fall meinem….) können die meisten Menschen einfach nicht verstehen, warum ein Mann freiwillig zu Hause bleiben will. Veraltete Sichtweisen und super-konservatives DEnken sind in Österreich leider an der Tagesordnung, Ich habe dazu einen BLOG eröffnet und freue mich über BesucherInnen! http://we-do-it-our-way.blogspot.co.at/

  2. Eine Bekannte von mir hat gesagt, dass sie nicht weiss ob sie WILL dass ihr Freund in die Karenz geht, weil sie will ja beim Kind sein. Hallo? Das eine schliesst nicht das andere aus, erst die Mama, dann der Papa (meistens) – ist doch nicht so schwierig. Ich meinte es sei ein wenig egoistisch, dem Kind den Vater deswegen vorzuenthalten… Vaterkarenz ist wichtig, aber auch das Kindergartennetz muss STARK ausgebaut werden, um es den Frauen zu ermöglichen wieder zu arbeiten (ich meine wenn das Kind jünger als 3 ist) ohne als Rabenmutter dazustehen…

  3. Ich möchte ja nicht wissen wie die Statistik aussehen würde, wenns darum ginge wieviele Männer mindestens ein Drittel der gesamten Karenzzeit übernehmen … weil drei Monate auf 36 sind ja zb auch nicht gerade viel.

    Eine interessante Erfahrung die ich zum Thema Karenzteilen gemacht habe ist übrigens, dass ich sehr häufig von Frauen darauf angesprochen werde wie selbstlos aber auch irgendwie doof das von mir ist nicht die ganze Zeit zuhause zu bleiben sondern meinem Mann ein Jahr “zu lassen”.

    Ich jedenfalls hätte mir nie vorstellen können in einer Situation ein Kind zu bekommen in der nicht von Anfang an völlig klar ist, dass von der Geburt an beide gleichermaßen für das Baby verantwortlich sind und jedeR auch das Recht auf Freiräume hat.

  4. Mother Mable on

    Danke für diesen Beitrag. Das Thema Väterkarenz beschäftig mich schon lange, und nervt mich ungemein. Ich finde die Zahl von 5% erschreckend und peinlich. Und denke das hier vorallem mit verplichtenden Karenzzeiten etwas geändert werden kann und einer allgemeinen Aufwertung von Care work etwas geändert werden kann. Gleichzeitig macht mich auch das unfroh, das Themen, die in der Theorie selbsverständlich sein sollten noch immer so weit von der Praxis entfernt sind dass sie solche Kampangen brauchen und kriegen. Ich hoffe natürlich trotzdem das sie etwas bewirkt, aber noch mehr hoff ich das es sie in Zukunft nicht mehr braucht, weil Kinder haben und großziehen und versorgen und behüten und begleiten und und und endlich als etwas gesehen wird das Mutter und Vater gleich betrifft (egal ob Paar oder nicht Paar)!

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