Intelligenz bei Babys höher als bei Teens

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Facebook ist voll von ihnen. Genialen, humorvollen, pointierten Zitaten unserer Kinder. Während über kleine Kinder meist witziges und schlaues auf einen sehr erfolgreichen späteren Lebensweg dieser hinzuweisen scheinen, drehen sich Facebookeintragungen über Teens öfter über deren Schlampigkeiten, Selbstüberschützung und Talent zum Nerven.

Babys kommen als Genies zur Welt

Jedes Mal wenn ein kleiner Mensch geboren wird, denkt man sich: Was wird aus ihm wohl werden? Die Seele hat sich noch nicht zu einem Bewusstsein entwickelt und trägt alle Versprechungen in sich. Jedes Kleinkind strahlt aus, was besonderes zu sein. Und sehr viele Eltern suchen und finden Zeichen für besondere Fähigkeiten und Intelligenz in ihren noch sehr kleinen Kindern. Kein Wunder vielleicht. Kleine Kinder machen monatlich ungeheuer wichtige intellektuelle Sprünge und zeigen das auch auf kreativsten Wegen. Aber es geht dabei weniger um Zeichen der Genialität, sondern um eine intensive Entwicklungsphase die alle Kinder durchlaufen und deren Entwicklungssprünge auf magisch sich magisch ausdrückt, und die alle Kinder zwischen 0 und 5 durchmachen und später noch abgeschwächt, bis sie ca.10 sind.

Danach fangen die weniger magischen Entwicklungsphasen an, die sehr viel banaler und lästiger daherkommen. Da werden aus den kleinen Genies langsam pickelige, nach Schweiß riechende, unüberlegte schlacksige Halberwachsene, die glauben die Welt zu verstehen, ohne je gearbeitet zu haben, die glauben an öffentlichen Orten auf peinliche Art auf sich aufmerksam machen zu müssen, die sich übertrieben sexy anziehen wollen und die lieber sterben, als den Müll runterzutragen. In dieser Phase gewöhnen sich die allermeisten Eltern ab, in ihren Kindern ein Genie erkennen. Plötzlich freut man sich schon, wenn sie die Schule nicht zu früh abbrechen oder sorgt sich, weil das Kind zu wenig FreundInnen zu haben scheint, zu wenig liest, keine Interessen hat … Was für eine dramatische Reise: Von der freudigen Gewissheit ein Genie als Kind bekommen zu haben bis hin zur Erleichterung darüber, dass das Kind sich, wie alle anderen auch, mehr oder weniger gut durchs Leben schlägt. Und trotzdem sie sich als nicht genial entpuppen, lieben wir sie – hoffentlich. Und wer nach der Pupertät noch ein Genie in seinem Kind sieht, hat entweder tatsächlich ein Genie geboren, oder glaubt noch an den Weihnachtsmann.

Was tun, damit uns das nicht passiert…

Es geht doch darum, dass unsere Generation es besser machen will als die eigenen Eltern, oder? Wir wollen eben nicht die Traditionen von vor 30-50 Jahren weiterführen, sondern bessere Eltern sein als unsere Eltern es waren. Weil nämlich im Generationenverband Erziehungskonzepte weitergegeben wurden, die eben nicht optimal waren. Daher haben wir heutigen Eltern hohe Ziele: Wir wollen fördernd, liebend, respektvoll und verstehend sein. Das alles wollen wir zwar sein, haben aber null Erfahrung darin.

Wie wir selber als Kleinkind behandelt wurden (vor allem bevor wir sprechen lernten, und konkrete Erinnerungen benennen können), beeinflusst zu einem sehr hohen Anteil wie wir mit unseren Kindern umgehen. Wenn wir von unseren Eltern nicht liebevoll behandelt wurden, haben wir keine innere unbewußte Erinnerung, auf die wir intuitiv zurückgreifen können, um aus ihr zu schöpfen.

Vielleicht haben wir später im Leben die Erfahrung gemacht, geliebt zu werden. Dann werden wir diese Erfahrung mit einigen Adjustierungen einbringen können, um ein liebevolles Verhältnis zu unsern Babys aufbauen zu können.

Wer lieben will, ohne je geliebt worden zu sein, wird vielleicht „lieben spielen“, was unangenehm und unauthentisch rüberkommt, oder mit einer Hartnäckigkeit lieben, die erstickend ist. Wer als Kind sehr stark kontrolliert worden ist, wird, wenn er oder sie sehr reflektiert ist, ein starkes Sensorium entwickeln, wenn es darum geht, dass Menschen andere Menschen versuchen zu beherrschen. Es wird ihm aber höchstwahrscheinlich sehr schwer fallen, seine Kinder nicht zumindest punktuell über ein vernünftiges Mass hinaus steuern zu wollen. Oft passieren diese Wiederholungen aber in einer Art und Weise, die vordergründig nicht an die eigenen Eltern erinnern. Denn man will es ja besser machen als die Eltern.

Die Kontrolle über die Kinder haben

Beispielsweise läuft die Kontrolle der Kinder nicht mehr über schlichten Gehorsam und altbackenen Werten, aber sehr wohl über strenge Lebenskonzepte, die zwar modern und engagiert und daher schwungvoll daherkommen, aber nur einen sehr engen Handlungsspielraum zulassen. Wenn die Handlungsvorgaben sehr eingeschränkt sind, ist immer auch ein kontrollierendes Moment mit im Package. Das können einseitige, komplizierte Diätvariationen sein, pädagogische Konzepte, die sehr stark in den Alltag einwirken oder Tabuisierungen von Themen, die objektiv betrachtet nicht tabuisiert werden müssen/sollten.

Wann man nicht gelernt hat zu lieben

Natürlich steht man ein wenig orientierungslos da, wenn man eine liebe Mutter sein will, aber selber strenge Eltern hatte, oder wenn man ein empahtischer Vater sein will, aber in der Kindheit unter einem ignoranten Vater gelitten hat. Man kann sich dann z.B. die Frage stellen: War das jetzt emphatisch von mir, als ich meinem Sohn auf den Schoss genommen und getröstet habe, oder hätte er einfach nur einen aufmunternden Klaps auf die Schulter gebraucht? Oder: Ist das hohe Mass an Aufmerksamkeit die ich meiner Tochter schenke, ein Zeichen dafür, wie sehr ich sie wahrnehme, oder für meinen versteckten Kontrollwahn? Dann werden Ratgeber durchforstet und Tipps herangezogen, die einen vielleicht nur deswegen ansprechen, weil sie etwas Bekanntes in einem klingen lassen. Dann wieder überkommt einem die Verunsicherung und man zweifelt an seine Elternqualitäten und dann sagen einem die Leute, dass man “ einfach auf das Bauchgefühl“ hören soll…

Vernunft ist Vernunft ist Vernunft

Die einzige Möglichkeit solche intuitiv übernommene Muster aufzubrechen, ist die Vernunft. Vernunft und Selbstreflektion. Wenn wir nicht planlos irgendwelchen Empfehlungen folgen wollen, sollten wir versuchen alle Vorschläge objektiv durchzuchecken. Welche Argumente und Studien bringen die BefürworterInnen dieser mit? Und: Welche Argumente und Studien bringen die GegenerInnen mit? Und wenn wir Argumente einfach abtun, obwohl sie eigentlich vernünftig sind, könnten wir darüber nachdenken, warum wir das tun?

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Das Bauchgefühl manipuliert uns

Wie und wann und warum kommt uns das Bauchgefühl in die Quere kommen kann

Zum Beispiel: Unser Sohn spielt mit der Puppe seiner älteren Schwester. Wir nehmen sie ihm weg und geben ihm ein Flugzeug, und sagen: “ Schau wie cool das aussieht!“. Das Bauchgefühl sagt uns: Er hat die Puppe nur zufällig gewählt, weil sie vor ihm lag, aber viel lieber spielt er mit dem Flugzeug. Die Vernunft könnte uns sagen: Ein kleiner Bub war auch ein Mal ein Baby und wird daher irgendwann das Bedürfnis haben einen Spielzeugkinderwagen zu schieben. Er identifiziert sich damit. Kinderwägen waren ein sehr wichtiger Teil seines bisherigen Lebens. Nachdem er wahrscheinlich selber einmal Vater sein wird, stärkt ihn das Kinderwagenschieben außerdem jetzt schon in seiner Papa-Identität. Das kann also nur gut sein. Intuitiv kommt aber die Angst hoch, einen Sohn zu haben, der nicht ist „wie alle anderen“. Und die kommt zb deswegen hoch, weil auch im eigenen Elternhaus bubige Buben und mädchenhafte Mädchen erwünscht waren.

Oder: Wenn unser Kind über längere Zeit aggressiv ist, sagt unser Bauchgefühl, das der Bub seine Gefühle ausdrücken muss und wir ihm nicht sagen dürfen, dass es eine Ruhe geben soll. Obwohl wir dem Kind gönnen, „seine Gefühle“ auszudrücken, verbitten wir es uns selber aber sehr vehement. Wir haben Angst, dass wir uns nicht unter Kontrolle und vielleicht genauso mit dem Kind schreien, wie es vielleicht unser Vater gemacht früher gemacht hat. Da wir unsere Gefühle aber nicht wegzaubern können und uns das aggressive Schreien des Kindes, sehr wohl stört, bestrafen wir es mit beleidigten Schweigen und reden uns ein, dass wir gerade nichts zu sagen zu haben und – wie löblich! – sehr geduldig mit unserem anstrengenden Kind umgehen. Die ganze Situation wird dadurch für beide Seiten noch anstrengender. Das Kind fühlt sich nicht adäquat wahrgenommen (es weiß ja selber, dass es anstrengend ist), wir verleumden sowohl das Verhalten des Kindes aber auch unsere eigenen Gefühle und das kostet Energien. Vernünftig wäre es deutlich zu zeigen, dass man genug hat und das dem Kind dann auch zu erklären. Auch die Nerven von Erwachsenen halten nicht alles aus und brauchen ihre Ruhe. Und wenn das Kind das nicht einsieht, können wir davon Abstand nehmen ihm eine Nachspeise herzurichten. Denn grantige Eltern machen bekanntlich keine Nachspeisen. Und niemand macht gerne anderen einen Gefallen, wenn der oder die nicht nett zu einem sind. So lange wir unserem Kind das erklären und ihn bitten sich in uns einzufühlen („Du schenkst deinem Burder/Schwester auch nicht gern eine Schoko, wenn er/sie dich dauernd ärgert?“) und nicht übertriebenes Bravsein erfordern, wird unser Kind Verständnis für uns aufbringen. Vielleicht nicht in der Hitze des Gefechts aber wenn er oder sie verdaut hat, dass es keine Nachspeise gegeben hat, kommt schon eine Einsicht und auch die Reflektion, dass nicht einmal die Mama jedes Verhalten von uns super findet und das auch zeigt. Sie zeigt damit aber auch, dass sie einen Wert hat und sich selbst und ihre Grenzen respektiert. Dadurch lernt das Kind, dass Mütter vollwertige Menschen sind, aber es lernt auch, dass es selber auch ein fundiertes Selbstwertgefühl entwickeln darf.

Oder: Ein Kind sagt vor den Grosseltern Dinge, die es zu Hause auch sagt aber bei den Grosseltern nicht sagen sollte. Zum Beispiel, dass es Gott nicht gibt, oder dass die Oma zu viel jammert etc. Also lauter Dinge, die es entweder von uns Eltern übernommen hat, oder selber beobachten konnte. Wenn jetzt unser Bauchgefühl in Bauchweh umschlägt, ist das ein gutes Zeichen dafür, dass wir uns nicht von unseren Eltern abgenabelt haben, und es nicht aushalten, ihnen offen und ehrlich zu begegnen. Wir reden hinter ihrem Rücken und finden keine Ebene, auf der wir unsere Kontroversen mit ihnen austragen können. Wir sind bereit, eine versteinerte Beziehung zu unseren Eltern zu führen und auch unser Kind in diese hineinzudrängen. Tabuisierte Stimmung ist das Resultat und schwierige Gefühle, die kein Ventil finden. Das Bauchgefühl/Bauchweh sagt uns: Schütz‘ die Eltern vor respektlosen Aussagen deines Kindes. Wozu Ärger herauf beschwören? Und vor allem: Die Eltern würden es nicht ertragen, wenn wir uns so verhalten würden, wie wir wirklich sind.

Vernünftigerweise sollten wir uns klarmachen, dass Kinder zwar immer Angst haben die Eltern vom Podest zu zerren, weil es für sie genauso schmerzhaft ist, wie für die Eltern, wenn diese an Status verlieren. Was wir aber überbewerten: Die Verletzlichkeit der Eltern. Sie halten in der Regel viel mehr Gegenrede aus, als wir denken. Das bedeutet nicht, dass man alles mit ihnen ausdiskutieren muss, aber wir müssen uns auch nicht bis ins Unendliche verbiegen. Man kann ihnen salopp sagen: „Papa, du weißt doch eh, dass ich es nicht so hab mit Gott, aber genauso wie du damit leben kannst, kann ich auch mit deiner Religiösität leben.“ oder ein: „Na, Mama, du siehst schon gern immer das Negative in allem. Aber jetzt schauen wir alle gemeinsam dass wir einen netten Nachmittag haben, gut?“ Damit zeigt man ihnen auch Respekt. Sie sind einem wertvoll genug, dass man ihnen ehrlich gegenübertritt und sie menschlich auch mal herausfordert. Man begegnet sich auf Augenhöhe. Wer das nicht schafft, wird bei seinen Kindern auch Schwierigkeiten haben, einen ehrlichen Umgang zu finden.

Oder: Kind kann sich schon die Schuhe selber an- und ausziehen, die Jacke anziehen und den Reissverschluss hochziehen. Trotzdem erledigst du das. Dankbar ist es deswegen nicht. Es steht passiv da und wartet, bis es passiert. Dein Bauchgefühl sagt, es gehe schneller so und außerdem muss man dem Kind nicht gleich in der früh so viel abverlangen. Es fühlt sich doch geborgen, wenn man es anzieht. Außerdem liebt es uns vielleicht mehr, wenn wir ihm Service bieten. Die Vernunft könnte einwenden: Sich selber anziehen, ist keine Bestrafung und auch keine Zumutung. Aber wenn man es problematisiert, wird es zu einer mühsamen Angelegenheit und bleibt es das ganze Leben lang. Alle Alltagshandlungen werden als mühsam wahrgenommen, wenn sie immer von den Eltern abgenommen werden. Das Kind lernt nie diese Dinge mit einem lockeren Schwung einfach selbst zu erledigen ohne viel darüber nachzudenken. Und liebt es uns mehr, wenn wir ihm die Schuhe binden? No way. Das wäre ja viel zu einfach!

Das „magische“ Bauchgefühl

Das Bauchgefühl ist nicht magisch, sondern ein sehr biologischer Mechanismus

Im Hirn gibt es zwei Abläufe, die zum Einsatz kommen, wenn wir einen Beschluss fassen: Einen bewußten, rationellen und logischen Prozess und einen unbewussten, intuitiven – den wir Bauchgefühl nennen. Es hilft uns Entscheidnungen in kurzer Zeit zu treffen – quasi ohne nachzudenken. Das Bauchgefühl wird nicht von Gott gesandt und beinhaltet nicht übersinnlich generierte Informationen, sondern besteht aus unbewußten Erinnerungen. Es steuert 95% aller unserer Entscheidungen. Damit sind aber nicht nur komplexe Entscheidungen gemeint. Die „nebensächliche“ Entscheidung eine Kaffeetasse ruhig und gerade zu halten, damit wir nicht ausschütten, gehört auch dazu. Je mehr Erfahrungen wir sammeln, desto besser funktioniert unser Bauchgefühl bzw. unsere Intuition. Wenn wir in ungewohnten Lebenslagen Entscheidungen treffen müssen, kann uns das Bauchgefühl auch auf die falsche Fährte schicken. Das unbewußte System archiviert Kenntnisse über Gefahren genauso wie Genußerfahrungen. Alle Informationen und Reflexionen über eine Lebenssituation fließen zusammen und bilden ein tendenzielles Gefühl.

Das logische System arbeitet sich hingegen an einem Faktum nach dem anderen ab. Wenn der Mensch unter Stress steht, hat er keine Zeit um alles durchzuanalysieren und entscheidet daher aus dem Bauch heraus. Je öfter wir in einer ähnlichen Situation waren, desto fundierter filtert unser Bauchgefühl, wie man sich am Besten in dieser Situation verhält oder entscheidet. Erfahrene KrankenplegerInnen auf der Akut-Abteilung setzen pausenlos ihr Bauchgefühl ein. Sie müssen schnell die richtige Entscheidung treffen und können auf viel Erfahrung zurückgreifen, um eine Situation richitg einzuschätzen. Soll ein Patient über Nacht bleiben? Müssen SpezialistInnen gerufen werden? Doch oft will das Bauchgefühl bei Dingen mitreden, wovon es keine Ahnung hat. Der erste Autokauf oder wie man sich am ersten Tag im Büro verhalten soll etc.

Man sieht was man kennt

Außerdem sind wir nicht so gut darin unser Bauchgefühl zu schulen, weil wir uns gerne Informationen aneignen, die unserer vorgefaßten Meinung entsprechen. Dadurch lernen wir nicht dazu.

Wer sein Bauchgefühl ausbauen will, sollte sich mit Menschen umgeben, die einen anderen Blick auf die Welt haben, als man selbst und sich anhören was diese Personen denken oder erlebt haben.

Es kann aber auch passieren, dass das Bauchgefühl sich abschaltet. Wenn wir in Stresssituationen sind, die sehr bedrängend sind, kann es passieren, dass plötzlich nur mehr das rationalle System arbeitet. Daher können wir oft große Gefahr besser hantieren, als alltägliche Beschwerlichkeiten. Wir analysieren die Gefahr, sondieren, wie wir am Besten aus der Situation rauskommen und handeln anschliessend ohne Zögern. Für Sportler kann dieses Phänomen aber zur Stolperfalle werden. Ein Sportler braucht das unbewußte System dringend um gute Leistungen zu bringen. Wenn er sich plötzlich in der Wettbewerbssituation wiederfindet und Stress erlebt, schaltet sich mitunter das unbewußte System ab und eingelernte Bewegungsabläufe funktionieren nicht mehr. Eine mittlere Katastrophe …

Wer aber seine Kinder anders erziehen will, als er selbst erzogen wurden, muss die Vernunft einsetzen um einen neuen Weg zu finden. Wenn er oder sie nur nach dem Bauchgefühl handelt, wird er oder sie genau dieselben Reaktionen und Überreaktionen zeigen, wie schon Oma und Opa.

Ob einem das Bauchgefühl dazu rät, authentischer mit den Eltern umzugehen, hängt davon ab, wieviele gute Erfahrungen wir schon damit gemacht haben, nicht immer klein beizugeben. War man bisher sehr angepasst, wird einem das Bauchgefühl auch weiterhin raten es zu bleiben.

Dem Baby besondere Intelligenz zuzusprechen ist nicht intelligent

Eltern, die sich als Kinder nicht aufrichtig geliebt gefühlt haben, sprechen ihren Babys häufig besondere Intelligenz zu. Sie erliegen dem Fehler, dass es liebevoll sei, sein Baby für überdurchschnittlich intelligent zu halten, denn dann „halten“ sie ja viel von ihrem Kind.

Da sie nicht die Erfahrung gemacht haben geliebt und authentisch gespiegelt zu werden, können sie also ihr Kind nur mit Hilfe von geistigen Krücken lieben. Zum Beispiel, in dem sie es überhöhen. Das bedeutet, dass ihre Liebe an eine Bedingung gebunden wird, die das Kind (höchstwahrscheinlich) nicht erfüllen kann. Es kommt zu einer tragischen Wiederholung der Nichtliebe der Eltern.

Im Gegensatz dazu bedeutet es überhaupt nicht, dass man sein Kind nicht liebt, nur weil man es mal ermahnt oder auf Fehler hinweisst. Eine Ermahnung minimiert auch nicht den Wert des Kindes. Alle Kinder machen Blödsinn, widersetzen sich Regeln, behandeln andere Kinder schlecht etc. Unsere Aufgabe ist es, ihnen so oft zu erklären, warum man was nicht tut, sich immer wieder zu überlegen, wie die Kinder besser verstehen können, warum man was nicht tut, ihnen regelmässig in angemessener Ernsthaftigkeit oder sogar Strenge aufzuzeigen, wann sie den Bogen überspannen und ihnen altersentsprechend abzuverlangen ihr Handeln zu reflektieren und sich gegebenenfalls auch zu entschuldigen, bis sie die Do´s und Don´ts des menschlichen Zusammenlebens verstehen. Das läuft ab wie ein Sozialtraining. Manche Kinder verstehen diesen Lehrgang schneller als andere. Aber alle Kinder brauchen viele Wiederholungen. Und irgendwann geht das Verständnis in ihre Intuition über. Dann läuft‘s von allein.

Eltern, die dieses Training mit ihren Kindern nicht vermeiden wollen, tun weder der Gesellschaft noch sich selber einen Vorteil. Nur weil sich das Kind nicht immer sozial benimmt, ist es trotzdem ein liebenswertes Kind. Und Eltern, die ihre Kinder nicht ermahnen, sind nicht liebevoller, als Eltern die das schon tun. Im Gegenteil, wenn man sein Kind ermahnt und Grenzen aufzeigt, bedeutet das, dass man es ernst nimmt und sich mit ihm auseinandersetzt. Wenn man es nicht ermahnt, heißt das auch nicht, dass das Kind sozial ist. Man kann mit einem Nichtermahen kein unsoziales Verhalten ungeschehen machen. Wenn man das Problem jedoch mit dem Kind geklärt hat, kann man wieder authentisch liebevoll und spassig mit ihm umgehen. Wenn man es nicht klärt, sondern wegschaut, bekommt das Kind keine realistische Spiegelung. Die brauchen Kinder dringend, um ein gutes und fundiertes Selbstwertgefühl und sich eine realistische Selbsteinschätzung anzueignen.

Schlussendlich werden Eltern, die nicht ermahnen und unsoziales Verhalten ihrer Kinder „übersehen“, ihre eigenen adäquaten Gefühle, die trotzdem hochkommen aber nicht rausgelassen werden, anders und neurotisch zur Geltung bringen. Und dann fangt es an wirklich kompliziert zu werden.

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