was da ist

0

Bonussommer, kostbarer als im Hochsommer sind sie, diese goldenen Septembertage. In den Jahren vorher ging mit dem Schulbeginn immer eine noch größere Melancholie als sonst einher, diesmal ist es anders. Das Kind erledigt seine Sachen selbst, pilgert zu verschiedenen Büromaterialbeschaffungsfilialen, schwirrt sich den Spätnachmittag um die Ohren, kommt rotwangig gegen 7 Uhr nach Hause, auch sie nützt die goldenen Zeiten bevor der Schularbeitskalender und der Herbst uns ins Haus stürmen wird. Bis zum Exzesss hab ichs getrieben, das Geglucke, immer eine Begründung gefunden, aber wir haben doch den selben Weg, ich von der Arbeit, du von der Schule, da wäre es doch, na aber wirklich, da wäre es doch dumm, würden wir nicht zusammen..zuviel zusammen, zu wenig allein, ein Schutz kann auch zur Fessel werden,

nicht nur für sie.

Was man sich nicht so alles zusammenreimt, Antworten findet auf Fragen, die gar nicht notwendig sind. Frei nach Woody Allen, „Die Ehe ist der Versuch, die Probleme zu zweit zu lösen, die man alleine nicht hat.“ Nicht ganz passend der Vergleich, aber das Übergeglucke ist der Versuch ewig an-gebunden zu sein und zu glauben das sei Nähe und man selbst ein Füllhorn des grantelnden Gebens.

Zur Erinnerung das“ Kind“, mein Kind in jedem Fall, wird 13.

Am Samstag woll ich nur 1 Stündchen um 3 zum Schwendermarkt im 15., geblieben bin ich bis 10. Über das Zitat von Tankred Dorst „wer lebt, stört“ sicher eine Stunde davon diskutiert, die selbstbauten Sessel eine Wohltat für mein geschundenes Kreuz, der Koch beseelt lächelnd sein Essen betrachtetend nach vollbrachtem Werk und sich mit jedem mit, jeden Bissen gedanklich auf der Zunge zergehen lassen, Geschmacksknospensinnlichkeit.

Dass es dann so „spät“ wurde, das lag am Gespräch mit der Frau, die einst aus Brasilien kam, sie blieb, heiratete in Linz, der Sohn wurde geboren, die Ehe unglücklich, der Mann tyrannisch, sie mit der Liebe zur Familie und zur Kunst, Scheidung

seit 2 Jahren wohnt sie nun in Wien, 37 Jahre ist sie, ihre Wg Mitbewohner im tiefen 15. sind 25, seit 1,5 Jahren studiert sie auf der Bildendenden und strahlt,

als sie sagt “ ich bin dankbar, ich habe noch eine Chance, das Leben ist gut zu mir“ Ihr Gesicht erzählt den Rest, ihre Worte sind Zustandsbeschreibend, niemals jammernd, manchmal kurz tieferrauchig ihre Stimme, das was Leben ist, dazwischen, von Schmerzen, von Selbstzweifel, von aufs Eis gelegten Träumen, ihr Lächeln zeigt Ihre Lebensfreude

Ihr Sohn, der ist 14 und blieb beim Vater, ein bisschen mehr Ruhe hätte sie dann gerne, wenn er zu ihr in die WG kommt,

dumm komm ich mir vor, nach meiner Frage, aber du hast doch sicher einen österreichischen Pass, da muss es doch irgendwelche Unterstützungen geben,

ich bin dafür, dass jeder bleiben darf, wo er sich ein Netz bildet, meine Staatsbürgerschaft ist Brasilianisch und das wird sich nicht ändern.

Verlieben würde sie sich so gerne  wieder, aber das sei nicht so einfach, denn wenn man immer das Selbe tut und dann ein anderes Ergebnis erwartet?

Wir lächeln uns an,

die Schiffsbrüchigere von uns beiden bin ich,  das WohlstandsproblemhauferlmitGluckenproblem, aber darauf kommt es nicht an, 4 Stunden sind wir miteinander geschwommen, getaucht, gekrault und auf dem Rücken getrieben,

das Wasser ist unser beider Element.

Ein schöner Tag, die Welt ein vertrauter Ort, manchmal,

wenn man sieht, das alles ist.

Share.

About Author

Leave A Reply