Kaschmir im 8-Bettzimmer

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Mein Leben rennt so dahin, ein Höhepunkt, jagt den anderen aus den Tiefen. Letzte Woche war ich faziniert, Anlass hierzu bot sich mir reichlich auf dem Elteninformationsabend Skikurs. Gut dacht ich mir, da geh ich hin, spiele ich Vorzeigemutte, ich kämpfe ja an jeder Front gegen das Klischee der überrforderten Allein(schluchz)erzieherin. Um mich rum, sitzen eine Menge Alleinerziehende, allerdings nicht Alleinerhaltende Mütter. Es herrscht eine aufgeregte Stimmung, huch die kleinen 12 Jährigen fahren Ski, ein Raunen geht durch die Menge als der Herr PROFESSOR, ich bin in Bayern aufgewachsen, ich kann das nicht ausprechen ohne Ironie, von zweckmäßigen 6-8 Bettzimmern spricht. Die Rollkragen pagenkopfumschmeichelnde, kokette,  Rosebeigestichkschmirpulloverträgerin, ist seit dieser Aussage außer Rand und Band, Ihre dezent, sehr edel beringte Hand, reckt von diesem Punkt weg, beständig in die Höhe.

Was gibt es zum Mittagessen? Die kinder schmieren sich Semmeln mit den Resten des Frühstücks? Teile der heterogenen Elternmispoche ziehen vor Entsetzen Sauerstoffbedürftig die Luft ein, dass ich mich an die gute alte Dampflok, erinnern muss.

Wie muss ich mir einen Skitag so vorstellen? Aufstehen Frühstücken, Brote schmieren, Skifoan… zunehmend versöhnlich stimmt mich, die leicht zuckende, sich langsam dem Haarsantz näherde rechte Augenbraue des Herrn “Professors”.

Dann folgt im Aufbau, der dramaturgische Höhepunkt, das Thema, nicht drohende Knochenbrüche oder Schlimmeres, nein wird mein Kind in ein PRIVATSPITAL gebracht, sollte es sich verletzen?….Mir wird langsam übel, da in der letzten Reihe, da saß ich schon als Schülerin am Liebsten, ich sehe Feldbetten, blutende Wunden, verhungernde Kinder, öffentliche Spitäler, Fleischhauer, die sich in der Medizin versuchen, Kakerlaken, Läuse, die Krätze….dreckige Kindermünder, die ratlos vor Messer und Brot sitzen und einfach nicht wissen wie..

Na puuhh, ich seufze laut erleichtert auf, vibiriere summend mit in der entladenden Spannung des Chores, steigere mich zum Crescendo jaaaaaaaaaaa, tragbare DVD Recorder, Nintendos, Handys dürfen mit!

Aber ich bin nicht allein, tausche Geheimbündlerische Blicke, mir dem Vater neben mir, lache verschmitzt still mit einer meiner Favouritemitmütter(psssst 2 Kinder von 2 verschiedenen Vätern)… schön ist sie, diese kleine, feine Übereinkunft.

Wenig Geld haben, macht einen sicher nicht besser, klüger, reifer, cooler und mit finanziellem Netz, kann man sicher Höhenflüge der Empathie und des Intellekts feiern, keine Frage, aber in Einzelfällen, ist es ganz gut, dass einen schlicht die Frage beschäftigt,

Wie zahl ich DAS schon wieder?   Und das Kaschmir unschlagbar flauschig, wollig kuschlig, auch mal eine Umarmung ersetzen kann, steht außer Frage…

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3 Kommentare

  1. Als ich zur Schule ging hat mir meine Mutter mal erzählt, dass ein Vater (reich, grosses Haus für die Familie) den Vorschlag gemacht hat, dass einfach alle einmal 500 Euro einzahlen sollen, dann ist das Problem mit der Klassenfahrt geregelt. Kam bei den alleinerziehenden Müttern/Vätern recht gut an 🙂 Er hats ja nicht bös gemeint aber trotzdem.. Dass der Sohn dann später verkündet hat, dass “wenn er mal Arbeitslos wäre würde er einfach um die Welt segeln, er versteht nicht was alle haben” ist dann nicht mal so komisch 🙂

  2. So ist es! Wie kann man sich ein paar hundert euro für den skikurs leisten, wenn genau diese paar hundert euro dieselben sind, mit denen man ein Monat Nahrungsmittel für sich und dem Kind finanzieren muss? Und Taschengeld muss man dem Kind ja auch noch genug mitgeben, damit es vor den anderen nicht dumm dasteht und damit es, genauso wie die anderen, ein paar Lindt-Schoki kaufen kann, statt nur selbstgetrichene Brote zu essen.

  3. die Beschreibung des Kinderhospitals erinnert mich an Oliver Twist, ich kann die Sorge der flauschenden Mütter verstehen.

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