Kein guter Tag

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Morgen um 14 Uhr wäre es soweit gewesen. Ich wäre auf’s Jugendamt gegangen, hätte mit SozialarbeiterInnen gesprochen und letztendlich H. kennengelernt.Dann hätte ich den Kleidersack mit der richtigen Größe unter dem Sofa hervorgekramt und hätte ihren Kasten damit vollgestopft.  Dann hätte ich mir mit der Krisenpflegefamilie ein paar Termine zum Besuch vereinbart und ein paar Tage später wäre sie eingezogen bei mir. Und alles wäre gut gewesen.

Und heute rufen sie mich an. Dass es widersprüchliche Gutachten gibt und dass alles nicht so sicher ist. Das kommt zwar selten vor, aber wenn, dann sind das ganz schlechte Anzeichen. Und was ich jetzt gerne tun möchte. Laut schreien? Hysterisch weinen? Letztendlich sage ich den Termin zum H. kennenlernen ab und will mich nur mit den zuständigen SozialarbeiterInnen treffen, um die Lage abzuklären. Also überlegen, ob ich mir vorstellen kann, H. bei mir einziehen zu lassen und dann nach 6-9 Monaten wieder herzugeben, weil ein Gericht eben anders entschieden hat.
Ein paar Stunden später dann noch ein Anruf. Das Vermittlungsverfahren ist ganz eingestellt, keine Chance, dass ich sie überhaupt bekomme. Und dann ich weiter warten soll auf ein anderes Kind. Ganz lieb und verständnisvoll hat sie mit mir geredet, aber sagen kann man in so Situationen eh nicht viel.

Gestern hab ich das Gitterbett überzogen, heute würde ich am liebsten den Windeleimer aus dem Fenster schmeißen. Ganz arg, wie nah Freude und absolute Enttäuschung beieinander sind.

Ich kann noch gar nicht wirklich beschreiben, wie es mir grad geht, ich möchte eigentlich nur, dass es schnell vorbei geht.
Vielleicht hat jemand die letzte Folge der letzten Staffel Modern Family gesehen. Genau so ist es, so fühlt man sich. Weinend neben der Straße liegend, verzweifelt.

Jetzt brauche ich mal ein bisschen Zeit zum Durchschnaufen und Abschied nehmen. Vielleicht bis morgen, vielleicht länger, wer weiß. Vielleicht fahre ich ihn ein Sonnenland und lass es mir gut gehen, vielleicht hilft der Büroalltag besser.

Ich vertraue jetzt einfach mal darauf, dass die Welt morgen wieder ein bisschen besser ausschaut und lese ein paar glückliche Blogeinträge hier. Vielleicht hilft’s.

 

 

 

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2 Kommentare

  1. Das ist echt urgemein. Ich fühle mit dir. Ein guter Rat fällt mir jetzt auch nicht ein, aber vielleicht eine Geschichte, die zwar nicht vergleichbar ist, aber vielleicht kannst du für dich was ableiten …
    Als ich schwanger war, hat mir der Dok gesagt, dass ich ein Mädchen bekomm. Daraufhin haben ich und meine Hormone sehr romatische Bilder in meinem Kopf gezeichnet, die mein kleines Mädl gezeigt haben, wies im Wohnzimmer rumtobt oder am Küchentisch Müsli mampft oder sich am Spielplatz das Knie aufschlägt und furchtbar weint. In meiner Vorstellung hatte sie ganz viele Lockerl und war ein richtiges Lausmensch. Mit Latzhose. So wie ich eben. Damals.
    Vier Wochen später hieß es: O, doch ein Bub.
    Wammms! Eine Welt ist zusammengebrochen, ich hab furchbar geheult, meine gedankliche Tochter weg. Danach hab ich mich nicht mehr getraut, mir ein Bild von meinem Bub zu malen. Vorfreude war verboten, aus Angst wieder eine Vorstellung zu verlieren.
    Und da kommst du jetzt in Spiel! Biiiitttteeee mach das nicht! Bitte lass dir durch diese Enttäuschung das wunderschöne Vom-Kind-Träumen nicht nehmen.
    Ich wünsch dir ganz fest, dass du eine weitere Chance bekommst und das neue Kind freut sich bestimmt auch, wenn du dich auf es auch wieder so freust wie auf H. … trotz des Risikos einer weiteren Enttäuschung.

  2. Nageh. Da kommen mir auch die Tränen. Du mußt dir selber zuflüstern immer wieder: Es gibt ein Happy End. Es gibt ein Happy End. Es gibt…und dieses Happy End kommt, wenn das Kind zu dir gefunden hat, das dann auch bleiben wird. Und du wirst dir denken: Schön dass ich auf DICH gewartet habe. Schön dass das Schicksal mich zu DICH geführt hat!

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