Selbsterkenntnis oder die Sau im Lehrerzimmer

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Ich Höre gerade die Stellungnahme eines Lehrervertreters, Thema ist, höhere einstiegsgehaelter, aber dafür auch längere Anwesenheit. Dann kommt er, der hochqualifizierte Beitrag: ein Lehrer hat anspruch auf 2,2m zum Quadrat im lehrerzimmer, eine Sau in der massentierhaltung hat 2. Stolz lächelt er nachdem seines zornesschwangere Stimme wieder schweigt. Ich seh das klassenzimmer meiner tochter vor mir und meinen arbeitsplatz und die Zeit, die wir dort verbringen, aber ich würde uns ja auch nicht mit schweinen vergleichen. Das wird Ratz ratz gehen mit der bildungsreform…

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8 Kommentare

  1. Ich hab mir eure Beiträge durchgelesen und versuchs jetzt nocheinmal …
    Als kiritkunfähig würd ich mich nicht bezeichenen, bei weitem zu angrührt bin ich sicher. Mir wird jedes mal schlecht wenn ich wie heute an einer Krone vorbeigeh auf der als Schlagzeile „Lehrer wollen noch weniger arbeiten“ prangt. Ich bin die letzte die für eine Beibehaltung des Status quo ist aber diese öffentliche Hetze halt ich leider nur schwer aus und halt ich auch für kontraproduktiv. Da sind aber sicher auch zu einem guten Teil die Lehrergewerkschafter schuld.

    Mir gings eben darum, dass es „die Lehrer“ nicht gibt und ich wollte ursprünglich einfach darum bitten das ein bissl differenzierter zu sehen. Weil ein Turngeograph und ich – das einzige was uns verbindet ist dass wir gleich viel verdienen. Aber das hab ich eigentlich eh schon ausgeführt.

    Nein die Sommerferien kann man nicht wegargumentieren das ist sonnenklar. Unterm Jahr muss ich sagen hab ich aber eigentlich immer die allermeiste unterrichtsfreie Zeit verplant und zwar nicht freizeitmässig. Anders würd sich das nicht ausgehen wenn man einen Mindestanspruch an Professionalität in dem Beruf hat. Wenn man nur Englisch unterrichtet sind das in der AHS 5-6 Schularbeitsklassen, in der HTL 8-9 Schularbeitsklassen. Es sind also nicht ein paar Abende Schularbeiten verbessern sondern 60-80 Stunden Wochen die ganze “Schularbeitssaison” hindurch. Und es geht nicht darum dass ich drunter leide – weil ich weiss sehr wohl dass andere Berufsgruppen auch unlustige Bedingungen haben (find ich aber auch veränderungsbedürftig) – sondern darum dass über kurz oder lang die Unterrichtsqualität und meine Motivation leiden wird. Ewig hält man das nicht durch, das seh ich bei anderen Sprachlehrerinnen. Und apropos Lehrer und Lehrerinnen und weils heut grad ganz gut passt: Sprachlehrerinnen – die es bei diesem Stundenschlüssel am miesesten erwischt haben – sind fast ausschliesslich Frauen. Ich bin sicher die letzte die sich hinstellt und sagt LehrerInnen sind eh so arm und hackeln so viel. Ich packs nur nicht, dass dieser Aspekt den ich euch näher bringen wollte so unter den Tisch fällt. Weil es gibt eben echt Leute in dem Beruf die es sehr leiwand haben – zu leiwand. Aber dann gibt’s andere halt auch. Und das hängt mehr von der Fächerkombi ab als vom vielzitierten Engagement.

  2. Funkelblau on

    Bashing war nicht meine Absicht, ich hab ein schulkind und es ist Mein tiefstes interesse, dass es den lehrern gut geht. Ich verstehe nur nicht den Ablauf. Wenn eine Firma rote zahlen schreibt, versuchen, wenn es die Struktur zulässt, älle beteiligten, nach Ursachen und Strategien. In der schule, wäre das der Staat, die Lehrer, Schüler und Eltern. Ich würde mir das sehr wünschen, weil der Stress den die Schüler und Lehrer haben, führt zu schlechten ergebnissen, auch für die Eltern, wenn man sich die zahl der nachhilfestunden anschaut. In manchen Ländern läuft es viel besser, vielleicht könnte man sich da was anschauem, das würde dann älle entlasten.

  3. klingelfee on

    uiuiui, kritikunfähig?
    wo war jetzt bashing?
    Ich konnte nur einen Hinweis auf doch recht viele Wochen Urlaub und eine starke Gewerkschaft lesen. Dazu fällt mir zudem die freie Zeiteinteilung am Nachmittag ein (soweit ich weiß gibt es kaum eine Ganztagsschule im höher bildenden Bereich). Dieses Privileg kenne ich aus keinem der Berufe, die ich ausübte.
    Ich muss neben den Arbeitsstunden auch meine Mittagspausen in der Arbeit verbringen. Dh 40 Stunden Arbeit und 0,5 Stunden pro Tag zusätzlich (die ich gelegentlich auch für Mittagessen nutze).
    Mein Büro teile ich mit meinem Kollegen, das Zimmer ist etwa 6m² groß, das Inventar aus den 60ern. Der Ausblick in den Lichthof. Im Gegensatz zu LehrerInnen bewege ich mich kaum von meinem Arbeitsplatz fort. Ja, es kotzt mich an, aber ich verdiene dafür recht gut. Ist doch, teilweise zumindest, fein, oder? (ich erwähne dies nur, weil auch von Nina der Alltag beschrieben wurde)
    VerkäuferInnen können manchmal nicht mal aufs Klo gehen, arbeiten bis 21 Uhr (Billa am Praterstern, Ikea – kinderfreundlich) und verdienen nicht mal zwei Drittel von dem was ich verdiene (1000 Euro)
    Warum sind gerade die LehrerInnen so empfindlich und angrührt, wenn auf ihre Privilegien hingewiesen wird? Wenn sachlich diskutiert werden soll, wenn PISA auf den Nicht-Erfolg vonSchülerInnen aufmerksam macht, wenn LehrerInnen als Teil des Systems ebenso wie die Politik dafür verantwortlich sind.
    Ich finde die Arbeit wertvoll und sie sollte mehr wertgeschätzt werden, aber dieses Selbstbemitleiden ist einfach grauenhaft. Wie sollen dann die Kinder etwas von ihnen lernen, wenn es doch immer nur um das ertragene Leid der LehrerInnen geht?

  4. Kritik und Bashing liegt immer nahe an einander und wir sollten keine engagierte Junglehrerinnen verschrecken. Aber diese Sache mit den Sommerferien muss man schon sachlich besprechen, oder? Wenn man Sommer, Weihnachts, Semester und Osterferien hat, kann man während des Semesters auch regelmässig bis in die Nacht hinein was verbessern, oder? Ich meine nur, dass es sich übers Jahr hin leicht ausgleicht, oder etwa nicht? Die Unterscheidung der Lehrbeauftragung finde ich auch interessant. Ist das echt etwas worüber intern nicht gesprochen wird? Ich kann mich an einige Turnlehrer erinnern, die Geschichte oder Geo im Zweitfach gehabt haben und an andere, die Englisch und Deutsch unterrichtet haben. Das ist ja dann wirklich sehr ungerecht, wenn die so unterschiedliche Mühen auf sich nehmen müssen.
    Der Vergleich mit den Mastschweinen ist nur eins: Lächerlich. Wieviele Quadratmeter braucht man sitzend am Schreibtisch? Wieviele Quadratmeter stehen anderen Büroangestellten zu? Dürfen Lehrer sich nicht frei in der Schule bewegen und zum Schlafen nach Hause gehen? Der Vergleich ist wirklich zum Säuerfürttern.

  5. funkelblau on

    das mit der Zeit fürs Kind, betrifft uns alle, ansonsten Geb ich dir recht, meine stimmung ist mir auch dafür zu heilig, muss ja nicht sein

  6. Wenn ich gewusst hätt, dass es dir um undifferenziertes Lehrerbashing geht, hätt ich mir meinen Beitrag verkniffen.

    Ich frage mich jedenfalls im Moment wie ich in Zukunft Zeit mit meinem Kind verbringen kann, außer im Juli und August. Aber das ist wohl mein wunder Punkt. Also sollt ich mir solche Diskussion meiner Stimmung zuliebe ersparen.

  7. funkelblau on

    bei allem Respekt vor engagierten Lehrern und deren Leistung, es gibt sie, die fast 4 Monate freie Zeit. Ich musste jetzt! Meinen sommerurlaub beantragen, die schulferien abzudecken bei 5 Wochen Urlaub sind jedes Jahr mehr als herausforderung und Ferien Camps nicht zu finanzieren. Da ist es schon ein Vorteil Lehrer zu sein und Stress haben auch andere berufsgruppen. Nein, man sollte nicht berufsgruppen gegeneinander ausspielen, aber vielleicht einmal anfangen zu verändern, statt alles gleich im Keim zu ersticken, im Sinne aller, zuerst der Kinder. Die lehrergrewekschaft ist eine der starksten, im freundeskreis, wenn Lehrer anwesend sind, Höre ich oft, beim einbringen, einer Idee, nicht mal Kritik, dann warst doch selbst Lehrerin geworden! So wird sich nie was ändern, leider, auch für die Lehrer nicht.

  8. Echt gehts jetzt um mehr Anwesenheit in der Schule? Ich dachte es geht um eine höhere Anzahl der Unterrichtsstunden?
    Mir wär ja die Anwesenheit in der Schule wurscht – ich hab aber auch ausschliesslich Englisch und nur Oberstufe unterrichtet. 40 Stunden Arbeit die Woche bei einer vollen Lehrverpflichtung – davon konnte ich nur träumen, auch in der Schwangerschaft bin ich mehrmals die Woche bis 1 in der Nacht über Schularbeiten gesessen und am nächsten Tag um dreiviertel acht wieder in der Schule gestanden. Nicht sehr lustig.
    Aber das schaut natürlich etwas anders aus wenn du Turnen und Geschichte unterrichtest. Darf man aber nicht sagen, muss man ja zamhalten. Und die Vertreter würden das natürlich auch nie sagen. Fühl ich mich nicht so vertreten, aber Junglehrerinnen ohne festen Vertrag sind wahrscheinlich auch nicht die Zielgruppe.

    Man müsste mal die Lehrverpflichtung in Ö stärker an die jeweiligen Fächer anpassen. In Bayern kann man Turnen zb nur mit einem Hauptfach in Kombination belegen. Und in Frankreich hat man die niedrigeste Lehrverpflichtung wenn man nur Sprache in der Oberstufe unterrichtet – das sind meines Wissenes nach 12 Stunden. In Österreich unterrichtest du in diesem Fall 18 Stunden. Wenn du nur Turnen unterrichtest sinds 21.

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