Die Panik vor dem Stress

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Sind wir heute wirklich gestresster als vor 30 Jahren?

Ist Stress die Zivilisationskrankheit schlechthin oder eher eine Konsequenz der mangelnden Gleichberechtigung? In Schweden wurde jetzt eine große Studie zur Frage: Hängt Stress wirklich mit schlechten Arbeitsbedingungen zusammen und handelt es sich tatsächlich um Massenerscheinung?

 “In den Medien und in der Volksmeinung wird Stress als eine Art Epidemie dargestellt, die immer mehr Verbreitung findet.” sagt Hugo Westerlund, Professor och Leiter des Stressforschungsinstituts der Universität in Stockholms.

Die Arbeitsverhältnisse haben sich in den letzten Jahrzehnten sehr verbessert. Das Stressempfinden nicht.

Die Grundannahme der Forschungsgruppe lautet: Der Diskurs rund um Stress ist durch Alarmismus geprägt, der in den sozialen Medien verstärkt wird. Stress wird als eines der größten Volkskrankheiten überhaupt befunden, obwohl die Bevölkerung heute nicht so viel gestresster ist, als angenommen wird.

“Uns macht viel mehr Angst, dass die Panik vor dem Stress so stark gestiegen ist. Allein die Panik davor kann dazu führen, dass die Psyche tatsächlich erkrankt. Wenn man Menschen sagt, dass das Hirn unter Stress schrumpft, kriegen die Leute sehr große Angst vor Stress.”

Man will nun 180.000€ in die Erforschung der Entwicklung von Stressempfinden im internationalen Zusammenhang investieren.

Warum mehr über Stress geredet wird und daher auch die Panik vor Stress gestiegen ist, liegt vermutlich auch darin begründet, dass es heute weniger stigmatisiert ist zuzugeben, dass man sich gestresst fühlt als früher. Die Beschreibungen der Arbeitsaufgaben und Pensen haben sich in den letzten Jahren nicht sonderlich verändert. Trotzdem steigt die Symptomatik. Vielleicht hatte man früher andere Worte dafür? Vielleicht hatte man trotzdem Beschwerden, die aber ganz anders relatiert wurden.

Junge Frauen sind besonders gestresst

Bisherige Forschungen zeigen, dass es bestimmte Gruppen gibt, die ganz besonders stark von Stress betroffen wird.

” Besonders junge Menschen sind betroffen. In den letzten 30 Jahren hat sich der Stresspegel unter den jungen Erwachsenen dramatisch erhöht. Subjektiv fühlen sie sich mehr gestresst als ältere Altersgruppen.

” Wenn man nur auf die Arbeit fokussiert, erklärt man psychische Probleme schnell durch die angeblich so hohe Arbeitsbelastung. Andere Ursachen und Zusammenhänge werden einem vielleicht gar nicht so leicht bewusst.”

Besonders betroffen sind junge Frauen und das vor allem in frauendominierten Berufen.

“Junge Frauen dürften besonders unter Druck stehen erfolgreich zu sein. Das hängt mit Genusaspekten aber auch mit einem hohen Frauenideal zusammen. Das führt wiederum zu steigenden Krankenständen unter jungen Frauen, weswegen ihre Karrieren sich weniger dynamisch entwickeln. Das wird sich bis in die Pension negativ für sie auswirken.”

Gleichzeitig zeigt eine Studie aus Umeå, dass Frauen in gleichberechtigten Beziehungen, weit weniger gestresst sind.

“Das wundert mich nicht. Es geht nicht nur darum, wer daheim den Haushalt macht. Auch wenn beide Hand anlegen, tragen die Frauen sehr oft eine höhere organisatorische Verantwortung für den funktionierenden Haushalt.”

Eine gleichberechtigte Beziehung bedeutet, dass auch der Mann vorausplant, und sich dafür verantwortlich fühlt, dass das Heim wohnlich und sauber ist und die Kinder jeden Tag einen Jause mit in die Schule bekommen. Es reicht nicht, dass er Hausarbeiten ausführt, wenn die Partnerin “darum bittet”.

In Rahmen der Studie, die bis 2021 laufen wird, will man auch folgende Fragen klären:

Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Interesse der Massenmedien und wie über Stress berichtet wird?

Hängt die Einschätzung des Arbeitsmiljeus mit Stress, Gesundheit und Konjunktur zusammen?

Kann die Steigerung des Stressempfinden auch mit Veränderungen im Arbeitssituation in ganz bestimmten Branchen zusammenhängen?


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