Grenzen setzen – Fremde Kinder tadeln?

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grenzen setzen

Vielen Eltern fällt es sehr schwer Kindern von anderen Leuten Grenzen zu setzen. Warum eigentlich?

Wenn jemand unsere Kinder tadelt, empfinden wir das indirekte Kritik an unsere Erziehungskompetenz. Daher kritisieren wir auch selber ungern fremde Kinder.

`Wir fürchten die Reaktion der anderen Eltern. Wir wissen selber, wie unangenehm es ist, wenn andere Erwachsene unsere Kinder zurechtweisen und deswegen wollen wir niemanden anderen diesem Gefühl aussetzen,’sagt Kinderpsychologin Malin Alf.

`Wir wollen so wahnsinnig gerne die besten Eltern der Welt sein und die besten Kinder der Welt haben. Kleinkindeltern informieren sich heutezutage auch sehr intensiv mittels Ratgeber über Kindererziehungfragen und können deswegen viel schwerer akzeptieren wenn andere mit abweichenden Meinungen daher kommen als früher.’

Die Schaufelproblematik

Besonders schwierig wird es wenn es um Fragen geht, bei denen es keine gesellschaftlich vorherrschende Meinung gibt. Dass Kinder sich nicht schlagen sollen – da sind sich fast alle einig. Aber wie ist das mit der Schaufel in der Sandkasten? Wer darf mit ihr spielen? Das Kind, das sie zuerst gehabt hat, oder jenes Kind dem die Schaufel gehört? Solche Situationen können bald mal zum moralischem Dilemma werden. Es gibt aber kein Richtig oder Falsch. Bei dem einen gilt das eine und beim anderen eben das andere. Viele Eltern erleben es aber als extrem beschwerlich, wenn die Meinungen sich nicht decken und das dann auch noch ausgesprochen wird.

fremde Kinder

Malin Alf ist nicht der Meinung, dass jeder einfach drauflostadeln sollte, aber hin und wieder dürfe man ruhig mal seine Grenzen ziehen. Vor allem wenn man Besuch zu Hause hat. Denn zu Hause können in vielen Bereichen ruhig die eigenen Regeln gelten.

`Es geht um die Frage: In was für einer Gesellschaft wollen wir leben? Wollen wir dass die Menschen sozial zueinander sind, dann können wir auch den Kindern von anderen hin und wieder darauf hinweisen, wie ein Miteinander funktioniert.’

Die Mittagstischproblematik

Erziehungsarbeit ist nicht nur die Aufgabe der Eltern sondern der gesamten Gesellschaft, meint Malin Alf. Für kleine Kinder bedeute es einen enorm großen Entwicklungsschritt zu realisieren, dass unterschiedliche Menschen auch unterschiedlich leben und dass das ok so ist.

tadeln

Ein besonderer Fall ist der Mittagstisch. In jedem Haushalt wird er anders gepflegt. Bei manchen vorm Fernseher, bei anderen stillschweigend, wieder andere essen gar nicht gemeinsam am Tisch. Wenn bei dir zu Hause die Regel gilt, dass erst aufgestanden wird, wenn alle aufgegessen haben, und die Gastkinder sich nicht daran halten, was machst du dann?

`Ich finde absolut dass man sie auffordern kann sitzenzubleiben. Es geht nicht darum jemanden zu kränken sondern um das Respektieren anderer Lebensstile wenn man zu Besuch ist. Man tut sich aber leichter, wenn man schon vor dem Essen sagt, wie man den Ablauf gewöhnlich hantiert. Unsere Kinder werden sowieso nicht nur von uns erzogen. Sie bekommen auch im Kindergarten andere Regeln näher gebracht, als zu Hause. Es bereichert den sozialen Umgang einer Familie, wenn mehr Menschen involviert sind. Auch ältere Verwandte haben oft andere Regeln als wir und wenn man das gar nicht beachtet, kann ein gemeinsamer Umgang ziemlich beschwerlich werden.’

Am Besten man redet offen über die Unterschiede in den verschiedenen Familien. Wie denken wir? Wie denken unsere Freunde? Wo liegen unsere Ängste und wo unsere Toleranzgrenze? Die meisten Regeln anderer Familien kann man auch dann nachvollziehen, wenn man es selber nie so machen würde.

Die Kumpelproblematik

Für viele ist es undenkbar ein anderes Kind zurechtzuweisen. Man will am Liebsten auch das eigene Kind nicht tadeln. Heutzutage wird lieber begleitet, als erzogen, lieber erklärt als bestimmt. Das ist grundsätzlich eine sehr gute gesellschaftliche Entwicklung, aber dieser Art von Umgang mit den Kindern hat auch seine Nachteile, meint Kinderpsychologin Malin Bergström.

`Grenzen zu setzen und Autorität zu zeigen ist gesellschaftlich nicht mehr akzeptiert. Und wenn wir es bei unseren eigenen Kindern nicht machen wollen, dann auch nicht bei fremden. Außerdem wollen wir naütlich gut ankommen bei den Kleinen. Wir wollen gute Kumpel sein und nicht der Buhmann oder die Buhfrau. Wir wollen jugendlich rüberkommen und haben selber ein Skaterkapperl verkehrt rum auf wenn wir unseren Kinderwagen durch die Stadt schieben. Es ist recht schwer die Kumpelrolle mit der Autoritätenrolle zu kombinieren.’

Es geht also auch um unsere Eitelkeit. Wir wollen lieber gut rüberkommen als schwierige Situationen ausbaden. Wer will das nicht? Aber das Zusammenleben könnte dadurch auf die Dauer verkompliziert werden.

Beispiel: Man holt gemeinsam mit dem eigenen Kind einen Kindergartenfreund ab. Dieser ist es gewohnt vorzulaufen und er zieht dabei dein Kind mit. Nun kann man tolerant sein und hoffen, dass sie dabei nicht in ein Auto laufen, oder man holt seine autoritäre Seite raus und bestimmt, dass die Kinder an der Hand weitergehen.

Wenn man fremde Kinder zurechtweißt sollte man aber, wenn es die Situation zuläßt, den Ton gut treffen und gerne auch einen Scherz einbauen um nicht kränkend rüberzukommen. Kinder empfinden es als unangenehmer von fremden Personen getadelt zu werden als von den eigenen Eltern.

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2 Kommentare

  1. Hab ich mir schon oft überlegt. Es gilt ja ein wenig als dogma daß sich kinder streitereien unter sich ausmachen sollen. ich find das nicht immer gut. wer stärker, größer, frecher ist setzt sich dann eben durch…

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