Die Heldin der Arbeitslosen

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Heldin der Arbeitslosen

Weil sie Arbeitslose nicht aushungern wollte, verlor Inge Hannemann ihren Job.

Inge Hannemann ist Alleinerzieherin und arbeitet am deutschen Arbeitsamt. Beziehungsweise ist sie seit April diesen Jahres ihren Job los. Jahrelang unterließ sie es Hartz IV- BezieherInnen das Geld zu kürzen, wenn diese ihre Termine nicht wahnahmen oder Jobs ablehnten. Solche Sanktionen müssen nicht verhängt werden. Sie können verhängt werden und es wird vorausgesetzt, dass sie verhängt werden. Inge Hannemann, die Heldin der Arbeitslosen, wählte einen anderen Weg. Sie versuchte ihren KundInnen Mut zu machen anstatt sie zu bestrafen. Gleichzeitig bloggte sie auf altonabloggt.wordpress.com kritisch über Hartz IV. Nun wurde sie selbst sanktioniert. Die Frage lautet: Warum? Sie hat gegen keine Richtlinien verstoßen und am Blog hat sie keine Betriebsgeheimnisse verraten, sondern nur ihre Meinung gesagt. Die Freistellung wird nun am Gerichtshof für Menschenrechte in Den Haag geprüft.

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Familie Rockt: Du hast ja schon mit Ärger gerechnet.
Wie war dann der Tag für Sie, als sie tatsächlich freigestellt wurden?
Inge Hannemann: An dem Tag, als ich nach meinem Urlaub die Freistellung erhielt, war ich nicht besonders überrascht. Ich habe sie bereits viel früher erwartet. Ich bin derzeit ganz froh um die freie Zeit, da ich rund um meinen Kampf für Etwas einfach viel Zeit benötige. Von dem her, nehme ich die Freistellung tatsächlich als Urlaub und freue mich, dass ich nun das machen darf, was mich wirklich auslastet und zufrieden stellt. Ich fühle mich nicht persönlich gekränkt, sondern eher bestärkt, weil ich einen wunden Punkt durch meine Aufruhr erwischt habe.

Sie setzt sich auch nach ihrer Freistellung in Vollzeit für Arbeitslose ein. Jedoch nicht vom Jobcenter aus, sondern als politische Aktivistin. Die Linkspartei hat die Heldin der Arbeitlosen angeheuert. Hannemanns politisches Ziel ist ganz klar die Abschaffung von Hartz IV. Arbeitslose brauchen keine Abstrafung, sondern Ermutigung und Ausbildung. Von 100 Hartzern seien vielleicht drei arbeitsunwillig, meint Hannemann. Und mindestens ein genau so hoher Prozentsatz Arbeitsunwilliger finde man unter den Beschäftigen auch – und die beziehen um einiges höhere Löhne und werden ohne viel Aufhebens mitgeschleppt.

Was will Hartz IV?

Inge Hannemann: Der ursprüngliche Sinn von Hartz IV war die Senkung der Arbeitslosigkeit unter zwei Millionen. Das hat bis jetzt nicht funktioniert. Alles in allem kann man derzeit von rund sieben Millionen Erwerbslosen ausgehen. Außerdem wollte Hartz IV den vorformulierten Leistungsmissbrauch von Sozialleistungen eindämmen, als Konzept keine Leistung ohne Gegenleistung, wie es zuvor in der Sozialhilfe vorhanden war. Ein weiterer Kern der Hartz IV-
Gesetze war und ist der Ausbau des Niedriglohnsektors. So stellt es ein Kalkül dar, dass ein längerer Aufenthalt in der Arbeitslosigkeit unbequem gestaltet werdeWn sollte. Man will die Menschen dazu zwingen, auch schlecht bezahlte Arbeit anzunehmen.

Es gibt derzeit viel mehr HilfsarbeiterInnen in Deutschland als Hilfsjobs. Das führt zu geringen Steuereinnahmen und höheren Ausgaben im Sozialbereich. Gleichzeitig meldet die Wirtschaft einen deutlichen FacharbeiterInnenmangel. Die Bundesrepublik investiert trotzdem nicht in Bildungsmaßnahmen für Jugendliche, sondern zwingt sie in Niedrig-
lohnjobs. So wird eine ganze Generation schon in jungen Jahren demotiviert und die Volkswirtschaft geschwächt.

Wie ist der Blick der Gesellschaft auf die Hartzer?
Inge Hannemann: Mit Beginn der Hartz IV Gesetze im Jahr 2003 sprachen die Medien bereits von der Bildung einer neuen Unterschicht. Diese wurde als dreckig, faul und schmarotzend dargestellt. So Ex-SPD-Arbeitsminister Franz Müntefering 2006: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“ Hartzer gelten somit als schmarotzende und leistungsunwillige Arbeitslose, die sich auf Staatskosten vor dem Fernseher mit Bier einen schönen Tag machen.
Wieso können so wenige Hartz  IV-BezieherInnen in dauerhafte Beschäftigungsverhältnisse vermittelt werden?
Inge Hannemann: Zunächst liegt es daran, dass wir in Deutschland nicht genügend Arbeitsplätze für alle Erwerbslosen haben. Und wer einmal Hartz IV empfängt, wird für die angebotenen Jobs nicht einmal mehr zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Das liegt an der Stigmatisierung des faulen Hartzers. Sie wollen und dürfen nicht.
Wie sind die Hartzer denn wirklich?
Inge Hannemann: Jeder ist anders. Lauter unterschiedliche Menschen. Beispielsweise fällt mir eine junge Frau ein, die sehr den Drogen (Haschisch) und auch teilweise dem Alkohol zugewandt war. Ihr Leben bestand aus Party machen, Joints rauchen, aus ihrer Sicht, das Leben zu genießen. Keine Gedanken an eine Ausbildung oder dergleichen. Wir haben viele Gespräche, insbesondere um die Drogen geführt. Innerhalb dieses Zeitraumes bemerkte ich bereits eine positive Veränderung ihrer Persönlichkeit. Sie wurde stärker, die Party und der Alkohol weniger. Unerwartet wurde sie schwanger. Die Gespräche drehten sich nun um die Schwangerschaft, Abbruch ja oder nein, Zukunftsängste, neue Wohnung, fehlende Ausbildung und praktische Hilfe. Inzwischen ist das Kind knapp ein Jahr, putzmunter, die Drogen wurden mit Beginn der Schwangerschaft bis heute unterlassen, kein Alkohol und sie hat ihr Leben wunderbar im Griff. Sie zeigt hohes Verantwortungsbewußtsein gegenüber ihrem Kind aber auch bei sich selbst. Wir haben noch immer Kontakt, obwohl sie das Jobcenter wegen Umzugs gewechselt hat. Ihr diesjähriges Ziel ist der Start in eine Ausbildung.
Wie unterscheidet sich der Output deiner sanktionierenden KollegInnen von deinem? Wer konnte mehr Leute in Arbeit bringen?
Inge Hannemann: Mein Eindruck ist, dass ich meine Arbeit nicht als Routine sehe und auch nie sehen möchte. Jeder Tag ist ein neuer Tag und fühlt sich manchmal wie ein Überraschungsei an. Meine Vermittlungen waren temporär erkennbar. Jeweils zum Ausbildungsbeginn im Februar oder August eines Jahres. Innerhalb dieser Zeiträume vermittle ich eher weniger, da für mich eine Ausbildung bei den jungen Menschen an erster Stelle steht. Auch das steht oftmals im Widerspruch zu meinen KollegInnen, die gerne auch in den prekären Arbeitsmarkt wie Zeit- oder Leiharbeit vermitteln. Das hebt die Quote kurzfristig, da über 50 % der Zeitarbeitstätigkeiten maximal bis zu drei Monaten laufen und die Erwerbslosen sich dann erneut im Jobcenter melden.
Wie hat Ihre KollegInnenschaft auf deinen Blog reagiert? Gab es schon vor der Dienstfreistellung Diskussionen, Fürsprache oder eiskalte Blicke?
Inge Hannemann: Man hat mich selbst nur sehr wenig darauf angesprochen. Von zwanzig KollegInnen waren es zwei. Der Rest redete im Hintergrund darüber mit anderen KollegInnen.
Du hast in einem Jobcenter für junge Menschen gearbeitet. Warum schickt man junge Menschen dorthin anstatt sie auszubilden?
Inge Hannemann: Der Zugriff auf die jungen Menschen beginnt mit dem 15. Lebensjahr, d.h. wenn sie noch die Schule besuchen. Wir sind verpflichtet, diese kurz vor Ende der Schulzeit einzuladen, um sie für den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Das vorrangige Ziel ist dabei schon die Ausbildung. Allerdings mache ich die Erfahrung, dass gerade SchülerInnen, die die Hauptschule abgeschlossen haben, in der Berufsberatung gesagt bekommen, dass sie wegen ihres niedrigen Bildungsabschlusses nicht vermittelbar sind und daher wieder zu uns geschickt werden. Dann heißt es für die Jobcenter-MitarbeiterInnen, selbst einen Ausbildungsplatz für die Jugendlichen zu suchen oder sie eben als ungelernte Kräfte in Hilfstätigkeiten zu vermitteln. Die jungen Menschen sind oft nicht in der Lage, sich selbst zu bewerben, sei es für eine Ausbildung oder Tätigkeit. Es fehlt an Unterstützung durch die Jobcenter, aber auch viele Eltern können ihren Kindern in diesem Punkt nicht helfen. Für die Anstellung als HilfsarbeiterIn werden oftmals keine komplette Bewerbungsmappen gefordert. Dort reicht ein vor Ort ausgefüllter Personalbogen. Ein einfacherer Weg für die Jobcenter. Für die jungen Menschen jedoch ist ein Weg als ständige HilfsarbeiterInnen mit wenig Lohn vorgezeichnet.
Was für sinnlose Sanktionen und Maßnahmen werden angeboten?
Inge Hannemann: Als sinnlose Maßnahmen sehe ich vorrangig die Ein-Euro-Jobs. Eine Qualifizierung findet nicht statt. Die Quote liegt konstant seit Beginn 2003 bei rund einem Prozent. In den Ein-Euro-Jobs sitzen die Menschen zum Teil nur herum, ohne einer Aufgabe nachzugehen. Beispielsweise müssen in manchen Maßnahmen Menschen den ganzen Tag puzzeln oder Spiele auf Vollständigkeit überprüfen. Diese werden anschließend über den Bildungsträger verkauft. Eine doppelte Subventionierung des Trägers. Dieser erhält Geld für den Ein-Euro-Jobber und verdient durch den Verkauf der Produkte. Es macht keinen Sinn, Menschen in Maßnahmen zu zwingen, die bei weitem nicht ihrem Lebens- oder Berufsweg entsprechen.

Anstatt den Hartz IV-BezieherInnen € 800 plus Mietbeihilfen etc. auszubezahlen und zusätzlich Geld in demotivierende und teure Maßnahmen zu stecken, sollten alle Arbeitslosen ein Grundeinkommen von € 1000 beziehen, meint Hannemann. Das Argument, dass dadurch die Motivation eine feste Anstellung anzunehmen unter den Hartz IV-BezieherInnen sinken könnte, lässt sie nicht gelten. Die aktuelle Vermittlungsrate der Hartzer in dauerhafte Jobs liege in Altona bei nur 1,7 %. Also bringe das Aushungern auch nichts. Es geht darum, neue und bessere Jobs zu schaffen und die Menschen so auszubilden, dass sie diese Jobs auch ausüben können.

Du bist alleinerziehend. Wie hast du Elternschaft und Beruf unter einem Hut gebracht?
Inge Hannemann: Seit der Geburt meiner Tochter war ich alleinerziehend und wollte das auch bis zum Schluss bewusst bleiben. Der Vater hat bis heute keinen Unterhalt bezahlt. Als ich wieder anfing zu arbeiten, war meine Tochter bei einer Tagesmutter und im Kindergarten. Während ihrer Grundschulzeit war sie nach der Schule bei meinen Eltern. Ab der siebten Klasse war sie auf einem Internat für Hochbegabte, da das reguläre Gymnasium nicht so viel Zeit für sie aufbringen konnte, wie sie benötigte, um entsprechend gefördert zu werden.
Worauf legst du im Alltag als Mutter besonderen Wert?
Inge Hannemann: Mein Tagesablauf war sehr strukturiert, da wir auch immer einige kleinere und etwas größere Haustiere wie einen Hund hatten. Soweit es ging, waren nach Arbeitszeitende die folgenden zwei Stunden für meine Tochter reserviert. Hier wurde gespielt, nach draußen gegangen, gelesen, gesprochen, wir haben Freunde getroffen, gebastelt oder auch einfach mal lange gekocht und gebacken. Das Anstrengende war nicht meine Tochter oder die Arbeit um den Haushalt herum. Das Anstrengende war eher das Wissen um die Verantwortung für alleinige Entscheidungen wie z.B. das Internat, die Gespräche in den Schulen, die Elternabende, die Aktivitäten im Kindergarten.
Wie kommentiert deine Tochter deinen Blog und die mediale Aufmerksamkeit, die du jetzt bekommst?
Inge Hannemann: Meine Tochter findet den Blog interessant. Jedoch verfolgt sie ihn nicht so intensiv, dass sie sich darüber eine komplexe Meinung bildet. Die mediale Aufmerksamkeit betrifft sie auch nur sporadisch, weil ihr Leben ein ganz anderes ist und andere Dinge im Vordergrund stehen. Und das ist gut so.
Der Response in den Medien ist ja ziemlich positiv, aber du hast auch viel ungemütliche Reaktionen erfahren. Stimmt es, dass du auch bedroht wurdest?
Inge Hannemann: Wer in der Öffentlichkeit steht, muss mit allem rechnen. Auch ich habe damit gerechnet. Ich wurde in einem Telefonanruf bedroht, in dem Gewalt gegen mich und meine Familie geäußert wurde. Selbstverständlich empfinden nicht alle Menschen meine Arbeit als konstruktiv oder positiv. Auch stelle ich durchaus eine Gefahr für die Bundesregierung dar, weil ich mit meiner offenen Kritik, insbesondere gegen die Zeitarbeit, einen großen wirtschaftlichen Faktor ins Wanken bringen könnte. Weiters stelle ich eine Gefahr dar, weil die Bundesregierung auch vom dem Ausland, als positive Macht und Multiplikator in Bezug auf die Arbeitsmarktpolitik wahrgenommen werden möchte. Dieses Bild könnte ebenfalls zerstört werden.

Wie war Inge Hannemann selber im Jobcenter gelandet? Die ausgebildete Journalistin hatte zuvor als Dozentin für diverse Bildungsträger gearbeitet – oft im Auftrag der Arbeitsvermittlungsagenturen. Aufgrund neuer Ausschreibungsbedingungen sanken ihre Einnahmen plötzlich um 50 %. Ein Überleben mit einem Kind war kaum mehr möglich. Also beschloss sie sich dort zu bewerben, wo man sie sozusagen wegrationalisiert hatte. Mit der ersten Bewerbung bekam sie dann auch den Job als Casemanagerin.

Kannst du dir vorstellen selber Kundin im Jobcenter zu werden?
Inge Hannemann: Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Bisher habe ich immer Möglichkeiten gefunden mich über Wasser zu halten. Zur Not kann ich noch immer als freie Dozentin in der Erwachsenenbildung tätig sein.
Du wirst in Zukunft für die Linke tätig sein.
Was denkst du, wie das werden wird?
Inge Hannemann: Die Linken in Deutschland und ich arbeiten zum Teil zusammen. Als Parteimitglied werde ich mich jedoch nicht anmelden. Das ist auch so mit der Linken besprochen.
Viele linksorientierte AktivistInnen sehen Gewalt als legitimes Mittel zum Zweck. Wie positionieren du dich?
Inge Hannemann: Gewalt ist nie ein Mittel zum Zweck. Und zwar in keinem Bereich. Das sage ich immer wieder und poste auch immer wieder in den Kommentaren auf Facebook, wenn die KommentatorInnen sich zur Gewalt äußern. Dieser Kampf für Etwas muss friedlich ablaufen. Alles andere ist indiskutabel.
Wie geht es nun rechtlich mit deiner Arbeitsfreistellung weiter?
Inge Hannemann: Meine Anwälte prüfen die Freistellung auf Rechtmäßigkeit, da sie eindeutig politische Gründe beinhaltet. Ich denke, es bleibt spannend, und vor dem weiteren Verlauf habe ich keine Angst.
Was willst du deiner Tochter weitergeben? Wie wichtig ist dir Zivilcourage? Würdst du ihr empfehlen, denselben Weg zu gehen?
Inge Hannemann: Zivilcourage ist für mich sehr wichtig, da ich wohl einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn habe. Das zeigte sich darin, dass ich bereits in der Kindheit für SchülerInnen eingestanden bin, wenn ich das Gefühl hatte, sie wurden ungerecht behandelt. Das führte des Öfteren zu längeren Diskussionen mit LehrerInnen meiner Schulen. Meiner Tochter habe ich immer versucht, in dem Sinne ein Vorbild zu sein, das sie ihreFrau steht. Schaue ich mir ihr Leben und ihre Selbständigkeit an, bin ich sehr zufrieden damit, wie sie ihr Leben lebt. Sie wirkt stark, selbständig und hat klare Zukunftsvisionen. Sie geht ihren Weg und weiß, dass ich ihr helfe, wenn sie auf die Nase fallen sollte. Aber erstmal soll sie los marschieren. Und das tut sie gut.
Interview: Patrice Fuchs
Fotos: Frank Schwarz

Familie Rockt wünscht Inge Hannemann viel Erfolg!
Inge Hannemann bloggt auf
» altonabloggt.wordpress.com

 

Hartz IV ist Unsozial

Eigentlich wollte man 2005 mit Hartz IV eine Halbierung der Arbeitslosenquote erreichen. Vor allem durch zwei Maßnahmen:

  • Höhere Effizienz durch die Zusammenführung des Arbeitslosengeldes und der Sozialhilfe – und zwar auf einem Niveau, das unter dem der Sozialhilfe liegt. Zur sozialen Abfederung wird für Schulbedarf oder Wohnungsausstattung noch was draufgezahlt.
  • Verstärkte Vermittlungsanstrengungen von Seiten der FallmanagerInnen (wie Inge Hannemann eine war) in den Jobcentern bzw. wird von den Arbeitsuchenden erwartet jeden Job anzunehmen, der zumutbar ist. Wer keine Familie hat, muss für einen Job z.B. auch einen Umzug in Kauf nehmen. Für alle gilt: Es müssen auch Jobs angenommen werden, die unter dem Ausbildungsniveau des Arbeitssuchenden liegen. Außerdem darf man auch beim Gehalt nicht zimperlich sein. Ein Lohn, der bis zu 30 % unter dem Kollektivabkommen liegt, ist laut Hartz IV auch zumutbar. Wer solche Jobangebote ablehnt oder einen Termin im Jobcenter versäumt, muss damit rechnen, dass das Arbeitslosengeld gekürzt werden.

Aber nicht alle, die Hartz IV beziehen, sind arbeitslos. Wer sehr wenig verdient, kann sich auf Hartz IV-Niveau aufstocken lassen. Das sind sogenannte AufstockerInnen. Unter ihnen findet man viele Frauen, die bspw. auf Grund von fehlenden Kinderbetreuungseinrichtungen nicht Vollzeit arbeiten können.
Da es in Deutschland keinen Mindestlohn gibt, fallen aber auch viele Menschen unter die AufstockerInnen, die einen sehr niedrigen Stundenlohn ausfassen.

Hauptkritik an Hartz IV:

  • Die Regelung ist unsozial und diskreditiert Hartz IV Empfänger per se als arbeitsunwillig.
  • Man kann nicht auf der einen Seite Menschen dazu drängen Jobs anzunehmen, wenn es auf der anderen Seite nicht genügend gibt.
  • Durch die Aufstock-Regelung gibt es heute in Deutschland sehr viel mehr schlecht bezahlte Jobs als früher. In manchen Firmen werden die Arbeitenden sogar ermuntert, zusätzlich Hartz IV zu beantragen. Die Firmen sparen sich so Lohnkosten und haben gegenüber anderen Firmen, die nach Tarif bezahlen, einen Wettbewerbsvorteil.
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