Neue Medien motivieren Kinder

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– manchmal zum Orangen Schmeißen!

Über 90 % der 13 jährigen haben bereits Handys und auch ein Großteil der VolksschülerInnen. Schon Babys haben den größten Spaß mit Smartphones und Tablets. Sie lernen schon mit einem Touchscreen umgehen, bevor sie gehen können. Wenn man ihnen zur Abwechslung eine analoge Zeitung in die Hand drückt, schauen sie schon mal unzufrieden und verständnislos, wenn das Papier nicht so aufs Tapsen und Wischen der kleinen Patschhände reagiert, wie es das Baby gewohnt ist.

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Manche Eltern verfolgen diese Entwicklung mit Skepsis. Unklar ist ihnen unter anderem, in welchem Alter die Kinder ihr erstes Handy oder Smartphone kriegen und wie intensiv sie es nutzen sollen. Steckt das Internet voller Gefahren oder eröffnet sich den Kindern eine interessante kreative Welt? Beides ist natürlich wahr. Und es gibt keine klaren Regeln. Es ist im Grunde egal, wann das Kind ein eigenes Smartphone kriegt. Das kommt ganz auf die Lebensgewohnheiten der Eltern an. Auf Dauer kann man die Kinder nicht vom Internet fernhalten bzw. wäre es schade ihnen diese tolle Welt voller Blogs, Artikel, Spiele und Kommunikationsmöglichkeit zu verwehren. Allein Wikipedia ist es schon wert, sich ins www zu schmeißen. Gleichzeitig sollte man seinen Kindern Tipps geben, wo man noch Informationen beziehen kann: ExpertInnen und Institutionen anrufen, Bücher lesen und scheinbar Selbstverständliches hinterfragen. Im Gegenzug können sie uns beibringen, wie man soziale Medien bedient, technische Probleme löst, Klingeltöne runterladet und Freunde auf Facebook sperrt. Worüber wir uns aber zu recht Sorgen machen können:

Internetsucht
bzw. Facebooksucht

Vor allem auf Facebook passiert die ganze Zeit etwas. Es werden Kommentare geschrieben, Kommentare geliked, Bilder gepostet, Bilder geliked, Nachrichten geschrieben und Apps angeboten. Jedesmal wenn in der oberen Leiste ein kleines rotes Kasterl erscheint, das signalisiert etwas neues ist passiert!, kriegt das Hirn einen kleinen Kick. Nach diesem Kick kann man süchtig werden. Plötzlich hat man das Gefühl etwas zu versäumen, wenn man länger nicht auf Facebook war.

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Pornos schauen

Unsere Kinder sehen im Schnitt mit 10 Jahren das erste Mal am Handy einen Porno. Es kann das eigene Handy sein, oder das von SchulfreundInnen. Mit großer Wahrscheinlichkeit redet es mit uns Eltern nicht darüber und nichts deutet darauf hin, dass es bereits sehr explizite Bilder zu sehen bekommen hat. Trotzdem hat sich schon eine erste Vorstellung davon im Kopf festgesetzt, was Sex ist, in welcher Stimmung Sex stattfindet und wie die Rollenaufteilung aussieht. Da die meisten Pornos sehr mechanisch und geschlechterstereotyp und ohne viel zwischenmenschlicher Anbahnung ablauft, bekommen die Kinder ein sehr verzerrtes Bild von Sexualität. Auch wenn sie verstehen, dass das nicht die Realität ist, werden diese Bilder zu Ankerpunkte der jugendlichen sexuellen Phantasien. Man muss mit den Kindern daher aufklärende Gespräche führen. Wer das nicht will, schickt sein Kind in eine Sexaufklärungsstelle für Jugendliche. Die sind sehr zu empfehlen.

Private Inhalte online stellen

Nicht alle Kinder können unterscheiden, welche Inhalte für die Öffentlichkeit geeignet sind und welche nicht. Sie stellen alles mögliche online. Das muss nicht gleich gefährlich sein. In Zukunft werden die Menschen viel transparenter leben als bisher, aber man sollte seine Kinder dazu anleiten zu hinterfragen, welche Fotos vielleicht besser doch nicht für alle Ewigkeiten im Netz zu finden sein sollten.

Bezahldienste anwählen

Im Netz schlummern so einige finanzielle Fallen. Viele Kinder sind da schon reingetappt. Ob es sich um kostenpflichtige Apps oder GPS-Dienste oder Mehrwertnummern handelt, oft liegen die Rechnungen sehr schnell bei mehreren € 100,- Hier hilft Aufklären und spezielle Sperrdienste der Telefonanbieter in Anspruch zu nehmen.

Mobbing im Netz

Mobbing ist nichts neues. Es hat immer MobberInnen und Gemobbte gegeben und oft enden solche Geschichten tragisch. Das Netz bietet nun neue Möglichkeiten für MobberInnen. Sowohl auf Facebook als auch auf Instagram und anderen Plattformen. Vor kurzem mündete ein Fall von Netzmobbing in Göteborg (Schweden) in einer Massenschlägerei. Eine Person hatte ein Instagramkonto eröffnet und Bilder von über 100 SchülerInnen veröffentlicht und sexualisierte Unwahrheiten über diese verbreitet. Die ausgehängten Kinder waren mehrheitlich unter 13 Jahre alt. Nachdem eine 17 jährige beschuldigt worden war, dieses Konto eröffnet zu haben, formierte sich ein Mob von 500 Jugendlichen und stürmte die Schule. Es wurde mit Orangen geschmissen und mehrere Jugendliche wurden verletzt. 27 Kinder wurden in Gewahrsam genommen. Danach stellte sich heraus, dass die 17 jährige das Konto nicht eröffnet hatte. Die Polizei sucht noch immer nach der schuldigen Person. Wenn dein Kind gemobbt wird, musst du die Schulleitung einbinden und von dieser fordern, die Situation zu lösen. Sie kann Mediation und Beratung von außen ankaufen oder die MobberInnen selber zur Rede stellen und von dem gemobbten Kind fernhalten. Reicht das nicht aus, sollte das Kind auch psychologische Hilfe bekommen und der Stadtschulrat eingeschaltet werden. Mobbing ist nicht harmlos! •

Beratung zu folgenden Themen findet ihr hier:

Internetsucht und Mobbing:
» www.onlinesucht.at
» www.saferinternet.at

Sexualität:
» www.jugendinfowien.at
» www.firstlove.at
» www.vereintender.at

Jugendliche in Krisensituationen:
» www.die-boje.at

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1 Kommentar

  1. Kinder und der Umgang mit digitalen Medien ist und bleibt ein heikles Thema. Ich finde man sollte ihnen den Kontakt nicht grundsätzlich verwehren, aber einschränken: Zeitliche Grenzen müssen gesetzt werden sowie bestimmte Seiten gesperrt werden. Kinder sind Kinder, naiv und unschuldig, deshalb ist es auch Aufgabe der Eltern, Verantwortung über ihr Handeln zu üernehmen.

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