Maria Svelund – Die Bitterfotze ist wieder happy!

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Maria Svelund rechnete 2007 bitterböse mit dem ach so emanzipatorischen Familienleben in den Nullerjahren ab.

`Bitterfotze’ hieß das Buch in dem es um eine Frau geht, die sich eingestehen muss, dass ihr Bild von der modernen glücklichen Mama nicht aufgegangen war. Das Buch trug deutliche autobiographische Züge.

Wer jetzt denkt, Maria Sveland wäre eine junge selbstständige Frau, die trotz gleichberechtigter Beziehung nicht glücklich geworden wäre, täuscht sich. Im Gegenteil. Zwar war auch sie lange der Meinung gewesen, ihr Beziehungskonzept sei emanzipiert und fortschrittlich gewesen, aber letztendlich mußte sie sich eingestehen, dass ihr Familienleben sehr traditionell organisiert war. Schon mit 20 Jahren war sie mit ihrem Mann zusammengekommen, hatte zwei Kinder bekommen, immer weniger verdient als er und dafür mehr Verantwortung für Haushalt und Kinder übernommen. Irgendwann fühlte sie sich nur mehr gehetzt und demütigend unterbezahlt.

Millimetergerechtigkeit

Das Buch löste in Schweden eine Diskussion über `Millimetergerechtikeit’ aus. Obwohl Vaterkarenz in Schweden eher die Regel als die Ausnahme ist und fast 95% aller Frauen im erwerbsfähigen Alter tatsächlich auch arbeiten gehen und daher weitgehend unabhängig sind, befanden Feministinnen, dass die schwedische Gesellschaft sich nun ans Eingemachte machen sollte. Ein Bisschen Emanzipation reiche nicht. Und gerecht soll die Aufteilung sein – bis auf den letzten Millimeter eben. Denn warum sollen die Frauen am Ende immer ein wenig mehr zurückstecken und ein Bisschen mehr leisten?

Maria Sveland wollte auch Millimetergerechtigkeit und hat letztendlich tatsächlich ein Happy End für sich gefunden. Das verlangte aber eine radikale Entscheidung: Sie ließ sich scheiden. Für sie war das die einzige konsequente Reaktion auf ihre unglückliche Lebenssituation. Und danach war sie vor allem eins: Glücklich und befreit.

Scheidungs-Anthologie

In ihrem neuen Buch `Happy, happy’ lässt sie und Katarina Wennstams 10 Frauen zu Wort kommen, die ihren melancholisch-fröhlichen Scheidungsweg beschreiben, der aber am Ende die einzig mögliche Ausweg aus der Beziehung-Misere war.

Je höher die Zahl der erwerbstätigen Frauen in einer Gesellschaft ist, desto höher ist auch die Scheidungsrate. Dieses Faktum ist altbekannt und verwundert nicht wirklich. Wer den Partner nicht braucht um sich zu versorgen, bleibt nicht unter allen Umständen bei ihm. Und interessanterweise sind es heute vor allem die Frauen, die eine Scheidung anstreben. Männer sind häufiger zufrieden mit ihrer Ehe, was offensichtlich auch damit zusammenhängt, dass sie weniger unter allfälligen Doppelbelastungen und ungerechter Aufteilung der Familienpflichten zu leiden haben. Für diese These spricht, dass gleichberechtigte Beziehung länger halten. Und, gleichberechtigte Partner bekommen mehr Kinder: Die Wahrscheinlichkeit ein zweites Kind zu bekommen sinkt um 15% wenn der Vater nicht in Karenz war.

Patriarchale Überbleibsel

Gleichberechtigte Paare haben aber mit einem anderen Phänomen zu kämpfen: Die Soziologin Carin Holmberg fand heraus, dass Männer in gleichberechtigten Beziehungen ihre Partnerinnen seltener bestärken, während die Frauen ihre Partner überdurchschnittlich viel psychologisch stützen und loben. Patriarchale Strukturen beißen sich also subtil fest.

Scheiden tut weh

`Happy, happy’ hat nun abermals eine Diskussion in Schweden ausgelöst. Ist Scheidung wirklich eine so gute Lösung? Oder ist Maria Svelund einfach nur egoistisch und denkt nicht an das Wohl ihrer Kinder?

Sie versteht die Debatte überhaupt nicht: `Gibt es wirklich Leute, die finden, man soll wegen der Kinder zusammen bleiben? Kann es tatsächlich besser für die Kinder sein, wenn sie mit einem Papa und einer Mama zusammenleben, die nicht mehr mit einander reden oder nur mehr streiten? Ist das die Alternative? Kein Kind wünscht sich, dass die Eltern sich trennen. Kinder sind von Natur her konservativ veranlagt. Aber die Realität ist: Das Leben beinhaltet auch Trauer und Schmerz. Aber es muss nicht in einer Katastrophe enden, wenn sich in einer würdigen Weise separiert,’ sagt Maria.

Dem kann Teresia Öngame-Lindberg von der Universität Linköping zustimmen. Die Psychologin führte eine Studie zum Thema durch und musste feststellen, dass alle Kinder unter einer Scheidung ihrer Eltern leiden. Doch noch viel mehr leiden Kinder, deren Eltern zusammen leben, obwohl die Beziehung nicht mehr intakt ist.

Wenn das Glück in Frage gestellt wird

Was Maria Svelund besonders enttäuschte: Sie erlebte die Scheidung als etwas sehr befreiendes. Sie war glücklich aus ihrer Sackgasse rauszukommen. Aber als sie ihrer Umgebung davon erzählte bekam sie gar kein Verständnis – inklusive von ihrer Mutter. Die bewertete die Scheidung als großes Unglück und akzeptierte nicht, dass es Maria mit ihrer Entscheidung sehr gut ging. Die Reaktionen der Umgebung kreisten auch immer um den stillen Vorwurf an sie, ihre Kinder im Stich zu lassen.

`Natürlich liegt die Schuldfrage im Raum und zum Teil auch zu recht. Wir können keine Beziehungen eingehen und jemanden anderen lieben, ohne auch beizeiten ein schlechtes Gewissen zu haben. Aber in diesem Zusammenhang wird Mutterschaft und Vaterschaft sehr ungleich bewertet. Männer können Ãœberstunden machen und permanent auf Geschäftsreise sein während die Kinder noch sehr klein sind und niemand findet was dabei.’

Szenen einer Ehe

Besonders 7 bis 12 jährige Mädchen reagieren empfindlich auf eine Scheidung. Das dürfte damit zusammenhängen, dass sie stärker dazu sozialisiert werden, die Rolle der Konfliktlöserinnen zu übernehmen. Sie fühlen sich auch mehr für das Wohl der Geschwister verantwortlich. Von dieser Verantwortung muss man sie befreien. Dazu gehört, dass beide Eltern selber aktiv nach einer konstruktiven Lösung suchen und den Expartner nicht respektlos behandeln.

`Man muss eben auftreten, wie ein erwachsener Mensch, und nicht wie ein pubertierender Teenager der unkontrolliert Beschimpfungen ausspricht, wenn es seinem reptilgroßen Hirn passt. Und wenn man sich scheiden lässt, soll man vor den Kindern zugeben, dass man es für einen selber macht und nicht behaupten, dass man es für die Kinder macht, denn das stimmt meistens nicht.’

Kaum eine Scheidung verläuft problemlos. Aber interessanterweise leiden Frauen in der Regel vor der Scheidung und Männer danach. Maria und ihr Ex haben sich arrangiert und jeder geht seine Wege. In der Kinderbetreuung wechseln sie sich wochenweise ab. Sie genießt die kinderfreie Woche sehr, weil sie dann endlos Zeit hat zu schreiben.

Für alle Paare, die sich unsicher sind, ob sie noch zusammenbleiben sollen, empfiehlt sie gemeinsam `Szenen einer Ehe’ von Ingmar Bergmann anzusehen. Wenn danach eine unangenehme Stille zwischen den Partnern auftritt, sollte man vielleicht Schluss machen.

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4 Kommentare

  1. Komisch aber ich dachte beim lesen der bitterfotze damals, dass die ehe never ever hält. ich mein, wer will so einen mann? ich nicht!
    und trotzdem. ich war alleinerzieherin und bin jetzt mit mann und noch weiteren zwei kindern gesettlt. aber einfacher war es damals als alleinerzieherin. ich hatte so viel mehr zeit, war viel entspannter, musste nicht alle entscheidungen meine kleine familie betreffend abstimmen mit einer zweiten meinung, die vielleicht diametral zu meiner war. und trotzdem ist es jetzt schöner. anstrengender aber schöner.

    • lieber dirk – ich glaub du bist gar kein legastheniker. du tust nur so weil du auch bei den coolen dabei sein willst. in wahrheit bist du ein rechtschreibgott und ganz ein superer schüler. schade, aber es kann nicht jeder ein handikap haben!

  2. Okay. Ich hab den Artikel jetzt gelesen und werde jetzt gründlich darüber nachdenken, ob ich mich nicht scheiden lassen sollte. Es ist so schrecklich den Satz auszusprechen: Man hat also versagt, Aber ich will nicht nur funktionieren. Ich will mehr.

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