Stefan Weber: Du hast nie Papilein zu mir gesagt

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Stefan Weber und Monika über ihre Vater-Tochter-Beziehung.

stefan weber

Stafan Weber hat mit Drahdiwaberl konventionelle Werte auf den Kopf gestellt. Er sei ein talentierter Zertrümmerer, sagt er über sich selbst. Wenn die Stimmung abflaut, müsse er schnell was zertrümmern, damit wieder was los ist. Das gelingt ihm bis heute, aber leider nicht immer gewollt. Auf Grund seiner Parkinsonerkrankung halten seine Arme und Beine vormittags keine Sekunde still. Erst wenn die Medikamente zu Mittag wirken, beruhigt sich sein Körper. Seine Tochter Monika, eine gefragte Tätowiererin, zieht ihn während des Interviews immer wieder zurück aufs Bett, wenn er langsam droht, von der Kante zu rutschen. Dabei lacht sie über seine Schmähs und er lacht über ihre. Man merkt: Diese beiden haben einen direkten Draht zueinander. Sie mögen und lieben sich.

Familie Rockt: Warst du bei der Geburt deiner Tochter dabei?

Stefan Weber: Das war damals noch nicht so üblich. Außerdem bin ich im Wartezimmer gesessen und der Arzt hat gesagt: „Das wird noch dauern“, und im Fernsehen haben sie einen tollen Western gespielt und da hab ich nach Haus müssen. Aber dann wurde ich angerufen, und ich bin ins Spital geeilt. Die Ilse (Anm. d. Red.:  s Frau) hat gesagt, dass sie froh war, dass ich nicht dabei war. Ich hätte wahrscheinlich herumgenerverlt und sie damit mehr belastet als unterstützt.

Monika: Ich kenne nur die Geschichte in der Version, dass der  sehr betrunken war (lacht). Wie das Väter damals gemacht haben: Wenn sie ein Kind bekommen haben, wurde gefeiert!

dradiwaberl

War der Papa ein fürsorglicher Papa?

Monika: Ja, schon. Er ist kein toller Koch. Am Samstag war sein Kochtag. Da gab es entweder Grammelknödel oder Fischstäbchen. Und er war immer lustig. Wir hatten quasi denselben Schulweg. Er hat ja in der Waltergasse unterrichtet, und ich ging ums Eck in die Volksschule. Wir sind also immer gemeinsam gegangen. Mich haben immer diese Horrorfilme interessiert, und die durfte ich in dem Alter natürlich noch nicht sehen. Aber am Schulweg hat er mir die ganzen Filme nacherzählt und zwar ganz naturgetreu! Deswegen bin ich in der Nacht dann oft bei meinen Eltern im Bett gelegen. Er war ein guter Erzähler (lacht). Und ich wollte die Geschichten trotzdem immer wieder hören.

Warst du ein schwieriger Vater oder hattest du eine schwierige Tochter?

Stefan Weber: Die Monika war gar nicht schwierig. Wenn ich ihr gesagt habe: „Jetzt betest du zehn Vaterunser“, ist sie schon in der Ecke gestanden und hat gebetet.

Monika: Sicher nicht (lacht)! Aber wir hatten nie ernsthafte Krisen. Ich war immer froh, dass ich so freie Eltern hatte. Als ich 14 Jahre alt war, durfte ich meine erste Party schmeißen, bei der die Eltern auswärts geschlafen haben, damit ich nicht gestört werde!

Stefan Weber: Ja, aber die haben nur DKT gespielt.

Stimmt das?

Monika: Nein, wir haben Bowle gemacht und allen war schlecht (lacht).

Hast du dir nie Sorgen um deine Tochter gemacht?

Stefan Weber: Hätte ich vielleicht sollen, hab ich aber nie. Da waren wir zum Beispiel mal in London, und da ist sie mit ein paar Irokesenpunks abgezogen, und ich hab mir nichts dabei gedacht. Sie ist dann nachher wiedergekommen und hat gesagt: „Das waren solche Trotteln.“

Monika: Ich muss auch sagen, ich hab nie eine Nachprüfung gehabt. Ich war immer gut in der Schule. Nachdem meine beiden Eltern LehrerInnen waren, sind wir im Sommer gemeinsam weggefahren. Da ich nie eine Gefährdung gehabt habe, waren unsere Reisen auch nicht gefährdet.

Stefan Weber: Ich hab mir eher Sorgen gemacht, dass sie zu brav wird.

Wie bist du zum Tätowieren gekommen?

Monika: Ich war auf der Graphischen, aber das fand ich fad und dann hab ich über eine Freundin Tätowierwerkzeug in den USA bestellt und gleich im Freundeskreis losgelegt. Was vielleicht nicht das Gescheiteste war. Es sind in dieser Zeit nicht unbedingt Meisterwerke entstanden. Und mein Papa hat ein Che-Porträt von mir am Oberarm. Er war wohl mein zehntes Opfer.

Wie war es, sich als Frau in dieser Domäne durchzusetzen?

Monika: Die Männer haben mich am Anfang gar nicht so wahrgenommen. Ich hab mich allein durchgewurschtelt. Sie haben mich auch nicht ernst genommen. Aber damit konnte ich leben. Während sie mich nicht wahrgenommen haben, hab ich mich weitergekämpft.

Stefan Weber: Jetzt kennt sie jeder. Letztens waren wir auf einer Messe in Graz, und dort hat man mich angesprochen – aber nicht auf mich, was mich sehr gewundert hat, sondern auf die Monika (lacht).

Hat dir die ATV-Doko über die Tätowierszene, in der du mitgewirkt hast, Spaß gemacht?

Monika: Nein. Die Kameraleute waren sehr nett, aber wie die Gespräche gelenkt wurden, war schon sehr mühsam. Was dabei rausgekommen ist, ist eh ok, aber zwischendurch war es sehr anstrengend. Immer am Wochenende drehen und immer eine Rolle spielen. Ich hab mich zusammengerissen, damit ich kein einziges Mal Oida sag (lacht).

stefan weber und Tochter

Wie habt ihr in der Familie Weihnachten gefeiert?

Stefan Weber: Mit dem Opa haben wir sämtliche christliche Lieder gesungen. Sehr komisch. Der war sein Leben lang Kommunist. Aber zu Weihnachten hat er zum Schmettern angefangen.

Wie ist das Leben mit Parkinson?

Stefan Weber: Ich war Grafiker und ich habe immer gerne geschrieben, und gerade das Schreiben ist jetzt schwer möglich. Meine Handschrift ist ein Gekriztel geworden. Das kann man sich kaum anschauen. Aber Parkinson ist bei jedem anders. Meine Frau hat auch Parkinson und sie sitzt im Rollstuhl. Ich bin wieder einer, ich kann rennen, und hab ein Bedürfnis nach Laufen. Dafür kann ich manchmal einfach nicht aufstehen. Wenn ich im Kino bin, kann ich nach dem Film den Sessel nicht verlassen, und dann reden die Leute schon mal komisch.

tochter

Und wie wirken die Medikamente?

Stefan Weber: Da gibt’s welche, die mental lockern und befreien, und dann ist man gut drauf.

Monika: Der hat Überbewegungen. So nennt man das. Und wenn man die medikamentös beruhigt, dann schlägt sich das psychisch nieder. Aber es soll ihm ja gut gehen. Er kann also sozusagen wählen, ob er ganz starr und unglücklich wird, oder ob er eben zuckt.

Stefan Weber: Ich habe es letztens geschafft, in einem Lokal drei Flaschen Wein umzuhauen. Beim ersten Tisch bin ich vorbeigegangen und hab wegen eines Zuckerers die erste Flasche mitgenommen. Dann wollte ich mich umdrehen und mich entschuldigen, und im Schwung sind dann die nächsten auch gleich mitgeflogen.

Monika: Das war teuer!

Sagst du immer zu deinen Vater?

Monika: Nein. Das kommt drauf an. Wenn ich was von ihm will, sag ich Papilein.

Stefan Weber: (lacht) Du hast noch nie Papilein zu mir gesagt!

Wie war das für dich als du erfahren hast, dass dein Papa Parkinson hat?

Monika: Das war schon vor vielen Jahren, und am Anfang haben wir ihn noch verarscht: „Du gehst ja wie ein Duracell-Hase, bei dem die Batterie leer ist.“ Dann hat irgendwann ein Arzt gesagt, dass er Parkinson hat. Damals haben wir noch nicht realisiert, dass das immer schlimmer werden wird.

Stefan Weber: Schlimm ist ja die Sturzgefahr. Mittlerweile hab ich mir schon dreimal das Steißbein gebrochen. Bei jedem Schritt kann es passieren, dass ich irgendwo hängen bleib und hinflieg. Ein zwei Mal die Woche plattelts mich schon auf. Ich hab jetzt nämlich wirklich ein Talent zum Fallen. Bei meinem letzten Konzert vor zwei Jahren kam ich auf die Bühne und machte sofort einen Köpfler. Die Leute haben gejubelt. Die haben geglaubt, das gehört zur Show.

Macht das melancholisch?

Monika: Vor wenigen Wochen hat der Geburtstag gehabt und wir haben uns alte Videos von ihm angeschaut, wo er ganz ruhig auf der Bühne steht. Das macht schon nachdenklich, aber was soll man machen? Er ist eben jetzt ein wackeliges Kerlchen.

Stefan Weber: Das Älterwerden ist sowieso schon schwer und dann auch noch Parkinson.

Monika: Komm setz dich auf, du bist schon zu knapp am Bettrand!

Stefan Weber: Sigst, so wird man behandelt im Alter! Das kommt davon, weil ich in der Jugend zu wenig streng zu dir war (beide lachen).

Wenn ihr euch gegenseitig eine Liebeserklärung machen würdet, wie würde die dann klingen?

Monika: Ich liebe an ihm, dass er mir sehr viele Freiheiten gelassen hat und er mich unterstützt, auch bei meinen Burlesque-Shows. Nicht jeder Vater wäre stolz, wenn seine Tochter sich auf der Bühne ausziehen würde. Er ist immer stolz auf mich. Und ich liebe ihn für die tolle Kindheit, die er mir geschenkt hat.

Stefan Weber: Die Monika hat so ein sonniges Gemüt. Wenn ich depressiv in der Früh im Bett liege, kommt sie hereingeplatzt: „Hallo! Ich hab einen Kuchen mitgebracht!“ und baut mich damit auf. Und sie hat auch immer auf mich aufgepasst und mir oft das Leben gerettet. Wenn ich zum Beispiel ein Achterl trinke, dann bin ich total besoffen und dann schaut sie auf mich und setzt mich in ein Taxi. Und wenn ich verwundet war, dann hat sie mich schon oft gepflegt (Monika und lachen laut). Dafür liebe ich sie.

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3 Kommentare

    • Liebe Gerald,
      Frag am Besten bei Monika Weber im Happy Needels nach! Sie ist seine Tochter und kann dir sicher Bescheid geben.
      Lieben Gruß, Patrice

  1. Mario Schmucker on

    lieber Weberl wünsche dir und deiner Tochter ein gutes und Erfolgreiches Jahr 2014!!!!!!!
    Hoffentlich geht es dir bald wieder besser.Unde dein sch. parkinson lässt sich endlich heilen.
    Bleib wie du bist !!
    Dein Drahdiwaberl Fan aus München

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